Ordung: Primaten
Unterordung: Strepsirrhini
Teilordung: Adapiformes
Familie: Adapidae
Gattungen: Adapis, Cryptadapis, Leptadapis, Microadapis, Palaeolemur

Evolution der Primaten - Adapidae

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Mit der Übertragung der Unterfamilie Cercamoniinae in die Familie Notharctidae ist die Familie Adapidae, wie sie derzeit konzipiert ist, zu einer geographisch relativ beschränkten und eher monophyletischen Primatengruppe geworden, zu der man vor allem die späteozänen europäischen Gattungen Adapis, Cryptadapis, Leptadapis, Microadapis und Palaeolemur zählt [1]. Einige Autoren [2] zählen auch die Gattungen Caenopithecus und Mahgarita zur Familie Adapidae.

Adapiden haben während ihrer gesamten Entwicklungsgeschichte die Zahnformel von primitiven Euprimaten[?] behalten. Die Molaren ähneln denen einiger heute lebender Lemuren und werden von Kämmen dominiert, was auf eine Blätter fressende (folivore) Ernährungsweise hindeutet. Die meisten Adapiden waren mäßig große Primaten aus dem Eozän, die mit einem Gewicht von 1 bis 4 kg etwa die Größe von heutigen Hapalemuren (Bambus- oder Halbmakis) und Lemuren erreichten [3]. Microadapis war mit einem Körpergewicht von ca. 600 g etwas kleiner, während Leptadapis zwischen 8 und 9 kg erreicht haben könnte und damit deutlich robuster als heute lebende Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini) war [4].

Einige Schädel eozäner Adapidae Primaten
Abb.1. Schädel zweier Adapiformes aus Westeuropa: oben Adapis (laterale Ansicht), unten Leptadapis (laterale und dorsale Ansicht)
Bilder © aus Stehlin, 1912.

Adapis wurde von Georges Cuvier im Jahre 1821 beschrieben und war der erste fossile Primat überhaupt, obwohl man das Tier erst viel später als solchen erkannte. Adapiden sind besonders gut in den berühmten Phosphorit Ablagerungen von Quercy in Frankreich erhalten geblieben, die viele Schädel und isolierte Skelettreste aus dem späten Eozän hervorgebracht haben. Bereits 1912 erkannte der schweizer Paläontologe H.G. Stehlin, dass es beträchtliche Unterschiede bei den Exemplaren aus Quercy gab, doch in den darauf folgenden Studien späterer Jahrzehnte kam man zu dem Schluss, dass ein großer Teil der Variationen in Bezug auf Körpergröße, Größe der Eckzähne und Ausprägung der Sagittalkämme mit Geschlechtsdimorphismus erklärt werden könnte [5]. Neuere Analysen der Adapiden aus Quercy kommen nun aber wieder zu dem Schluss, dass die Fundstücke eine beträchtliche morphologische Vielfalt und unterschiedliche Bewegungsapparate aufweisen, und somit mehrere Arten der Gattungen Adapis, Leptadapis und Palaeolemur repräsentieren [6][7][8].

Die postcranialen Skelettreste von Quercy spiegeln eine Vielzahl von Mustern in Bezug auf einen vierbeinigen Bewegungsapparat wieder. Dagosto (1983) zeigten, dass Adapis und Leptadapis in den meisten postcranialen Merkmalen eher den heutigen Loris als heutigen Lemuren ähnelten, dazu gehören z.B. die proximale und distale Anatomie des Oberschenkelknochens (Femur) und Proportionen der Fußwurzel, was darauf hindeutete, dass sie langsam kletternde, vierbeinige Baumbewohner waren. Andere Oberschenkel- und Schienbeinknochen aus Quercy zeigten wiederum Variationen, die darauf hindeuteten, dass einige Arten der Gattung Adapis an das Gehen und Laufen auf Zweigen und Ästen angepasst waren, während wieder andere Variationen sich vielleicht besser zum Klettern eigneten [8]. Letztere Annahme steht auch im Einklang mit Schlußfolgerungen, die Wissenschaftler aufgrund der Anatomie des Handgelenks von Adapis gezogen hatten [9]. Beide dieser späteren Studien kommen zu dem Schluß, dass sich die Adapiden noch nicht in der Art spezialisiert hatten, wie sie typisch für vertikales Festhalten und langsames Klettern ist, und dass die Arten daher besser als generalisierte, baumlebende Primaten, ähnlich wie einige heutige kleine Neuweltaffen (Platyrrhini), interpretiert werden sollten [8].

Die europäische Adapiden scheinen nicht von früher lebenden Mitgliedern der Unterfamilie Cercamoniinae abzustammen, sondern eher während des mittleren Eozäns aus Afrika oder Asien in Europa eingewandert zu sein [10]. Einige Adapiformes aus dem mittleren Eozän Chinas scheinen mit den Adapiden verwandt zu sein, jedoch sind sie primitiver, da ihnen der Metastylid auf den unteren Molaren fehlt, dafür aber einen kleinen Hypokonus auf dem lingualen Cingulum aufweisen [11]. Die Mitglieder der Familie Adapidae sind in Europa während der Grande Coupure[?] ausgestorben [3].

[1] Gebo, 2002; [2] Godinot, 1998; [3] Fleagle, 1999; [4] Gingerich und Martin, 1981; [5] Gingerich, 1981; [6] Lanèque, 1992; [7] Lanèque, 1993; [8] Bacon und Godinot, 1998; [9] Hamrick, 1996; [10] Godinot, 1998; [11] Beard et al., 1994

 


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