Carpolestes simpsoni

Zeitraum: spätes Paläozän bis frühes Eozän
Carpolestes simpsoni
Mit dem menschlichen Daumen kann man sich sehr gut eine Vorstellung von der Größe von Carpolestes simpsoni machen.
Verbreitung: Nordamerika
Arten: C. simpsoni
Gewicht: 83,1 g
Schwestertaxa: C. dubius
C. nigridens
Systematik
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Carpolestes simpsoni ist ein winziger Primat aus der Klade Euprimateformes, der vom späten Paläozän bis ins frühe Eozän in Nordamerika lebte.

Das Typusexemplar hat die Bezeichnung UM 86273. Dabei handelt es sich um einen zusammengedrückten Schädel mit dem kompletten linken Gebiss. Das Fundstück stammt von der Discovery Site in Wyoming. Es war in der Willwood Formation eingebettet und ist zwischen 56,8 und 55,4 Millionen Jahre alt. Es wird im Museum of Paleontology an der University of Michigan aufbewahrt.

Carpolestes simpsoni war ein kleiner, baumlebender Primat. Aus der Größe und der Morphologie des Typusexemplars schätzt man das Gewicht des kleinen Säugetiers auf etwa 83,1 Gramm. Die Überreste weisen darauf hin, dass unsere frühen Vorfahren baumlebende Fruchtfresser waren und sie helfen den Wissenschaftlern, die frühe Evolution der Primaten zu verstehen.

»Eine der großen unbeantworteten Fragen in Wirbeltierpaläontologie lautet: von wem stammen Primaten ab, wo und warum haben sie sich entwickelt«, sagt Jonathan Bloch, Paläontologe an der University of Michigan, Museum für Paläontologie.

Die frühesten echten Primaten, auch Euprimaten [?] genannt, erscheinen erstmals in rund 55 Millionen Jahre alten Schichten in Nordamerika, Asien und Europa. Euprimaten als Gruppe umfassen Menschen, Menschenaffen und Affen. Die Frage ist, was während des 10 Millionen Jahre dauernden Zeitraums zwischen dem Aussterben der Dinosaurier (vor rund 65 Millionen Jahren) und dem Erscheinen der ersten Primaten geschah.

Das fast vollständige Skelett von Carpolestes simpsoni wurde im Clarks Fork Basin in Wyoming gefunden. So wie es nun scheint, können die Überreste einige dieser Fragen beantworten. Carpolestes ist Mitglied einer archaischen Gruppe von Primaten, die man Euprimateformes nennt (nicht zu verwechseln mit Plesiadapiformes). Sie lebten vor 65 bis 45 Millionen Jahren.

Die Merkmale, die Primaten von anderen Säugetieren unterscheiden, sind ein großes Gehirn, die Fähigkeit mit den Händen Gegenstände zu greifen (was opponierbare Daumen große Zehen erfordert), die Fähigkeit zu springen, nach vorn gerichtete Augen und Nägel statt Krallen.

Da Carpolestes die Eigenschaften der älteren Plesiadapiformes mit primaten-ähnlichen Eigenschaften kombiniert, stellt sich nun die Frage, in welcher Reihenfolge sich diese Merkmale entwickelt haben und zu welchem ​​Zweck.

Evolution der Primaten

Es gibt drei Hypothesen, die zu erklären versuchen, warum und wie sich Primaten entwickelt haben. Einer Ansicht nach haben sich die Fähigkeit zu greifen und die nach vorne gerichtete Augen zusammen entwickelt, was den Tieren ermöglichte, Insekten zu fangen, die sich überall in den Bäumen tummelten.

Eine zweite Hypothese besagt, dass sich das Greifen, die nach vorn gerichteten Augen und die Fähigkeit zu springen gemeinsam entwickelt haben, um sich schnell durch die Zweige der Bäume zu bewegen. Es wurde auch vorgeschlagen, dass sich das Greifen zuerst entwickelt hat, damit die Tiere die Früchte auf kleinen Zweigen ernten konnten, später hätten sich die nach vorne gerichtete Augen entwickelt, um das Fangen von Insekten zu ermöglichen.

Die Mitglieder der Gattung Carpolestes wogen etwa 100 Gramm, hatten einen langen Schwanz und eine Körperlänge von etwa 35 Zentimeter. Sie teilten einige, aber nicht alle Eigenschaften der modernen Primaten, und somit kann Carpolestes als Übergang angesehen werden. Die kleinen Säugetiere hatte primatenähnliche Zähne, die auf den Verzehr von Blüten, Samen und Früchten spezialisiert waren. Die gegenüberstellbare Großzehe gab ihnen die Fähigkeit zu Greifen, und so verbrachten sie wohl die meiste Zeit auf Bäumen.

Carpolestes hatte einen Nagel auf dem großen Zeh, aber seine Augen waren nicht nach vorne gerichtet. Auch erlaubte es die Skelettstruktur nicht, größere Sprünge zu machen, wie es einige der frühesten Primaten konnten.

Jonathan Bloch und sein Co-Autor Doug Boyer kommen zu dem Schluss, dass Carpolestes die meiste Zeit damit verbrachte sich an Ästen festzuhalten und Früchte zu fressen anstatt Insekten zu fangen. Sie spekulieren, dass Carpolestes das im Paläozän erhöhte Angebot von Früchten, Blüten, Knospen und Nektar nutzte und so die Konkurrenz mit frühen Nagetieren vermied.

Eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern um Robert D. Martin am Field Museum in Chicago sind der Meinung, dass man den Anfang der Primatenevolution auf einen Zeitpunkt vor 85 Millionen Jahren zurückverlegen müßte und berufen sich dabei auf statistische Modelle. Jedoch gibt keine fossilen Belege, die diese Behauptung unterstützen könnten, und die meisten Paläontologen vertrauen auf die Fossilien, um die Primatenevolution Stück für Stück zu rekonstruieren.

Das Clarks Fork Basin, wo Carpolestes simpsoni gefunden wurde, ist besonders reichhaltig an eozänen Fossilien (55 - 34 Milionen Jahre), die oft in einem sehr guten Zustand und nahezu komplett sind. Die Forscher erweitern ihre Suche nun auf das Bighorn Basin in Wyoming und das Crazy Mountain Basin in Montana. In den Steinbrüche dort erhofft man sich weitere Fossilien, die das Bild von der Evolution der Primaten etwas klarer machen sollen.

[1] Jonathan I. Bloch and Doug M. Boyer (22 November 2002), Science 298 (5598), 1606. [DOI: 10.1126/science.1078249]

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D. W. Krause. 1987. Contributions from the Museum of Paleontology, University of Michigan 27(8)

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