Die Familie Plesiadapidae

Zeitraum: Paläozän
Verbreitung: Nordamerika, Europa
Gattungen: Pronothodectes
Nannodectes
Plesiadapis
Chiromyoides
Jattadectes
Platychoerops
Systematik
ein aus

Die bekanntesten archaischen Primaten gehören zur vielfältigen Familie Plesiadapidae, die im mittleren Paläozän Nordamerikas und im späten Paläozän bis zum frühen Eozän Europas weit verbreitet waren. Sie werden in der Regel in fünf Gattungen unterteilt. Die kleinsten Arten wurden etwa so groß wie ein Tamarin, die größten etwa so groß wie eine Meerkatze (5kg).

Zähne

Verglichen mit vielen anderen archaischen Primaten haben Plesiadapiden relativ generalisierte Zähne. Die früheste Gattung Pronothodectes hat eine Zahnformel von 2.1.3.3, aber spätere Gattungen zeigen eine erhebliche Reduktion und den Verlust von Schneidezähnen, Eckzähnen und Prämolaren. Alle Plesiadapiden haben relativ breite, liegende untere Schneidezähne, die in Zangenform mit den oberen mittleren Schneidezähnen abschließen. Verglichen mit Microsyopiden haben Plesiadapiden Prämolaren und Molaren mit niedrigen, bauchigen Höckern. Die hinteren beiden oberen Prämolaren sind kurz und breit. Die unteren Molaren haben einen relativ niedrigen Trigonid und einen breiten Talonid. Diese niedrigkronigen Backenzähne ähneln sehr den Molaren vieler späterer Primaten und deuten zusammen mit dem relativ großen Körper der meisten Arten darauf hin, dass Plesiadapiden wahrscheinlich striktere Pflanzenfresser waren, als andere archaische Primaten.

Schädel

Es gibt mehrere Schädel der Gattung Plesiadapis aus dem späten Paläozän Frankreichs (Russell, 1964) sowie Schädelfragmente von zwei weiteren Gattungen aus dem Westen der Vereinigten Staaten. Der Schädel von Plesiadapis hat eine lange Schnauze mit einem großen Zwischenkieferknochen. Das Gebiss weist eine Lücke (Diastema) zwischen den großen Schneidezähnen und den Backenzähnen sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer auf. Die Bulla [?] in der Gehörregion ist bei erwachsenen Individuen mit dem Felsenbein verbunden und das Paukenbein ist mit der Bulla verschmolzen und seitlich zu einer knöchernen Röhre verlängert (Szalay, 1975).

Obwohl es viel postcraniales Knochenmaterial von Plesiadapis gibt, besteht Uneinigkeit über die Art und Weise der Fortbewegung dieser archaischen Primaten. Ein Großteil dieser Unsicherheit ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass Plesiadapis in der Struktur seiner Gliedmaßen sehr verschieden von heute lebenden Primaten war, und es ist nicht sofort klar, welcher Art heute lebender Säugetiere ihr Bewegungsapparat am ehesten entspricht. Wegen der Robustheit des Skeletts, der Proportionen der Extremitäten, der Ähnlichkeiten mit heute lebenden Murmeltieren, und ihrer großen geografischen Ausbreitung haben mehrere Autoren vermutet, dass Plesiadapis ein geselliges terrestrisches Tier gewesen sein muss. Die kurzen robusten Gliedmaßen, die langen, seitlich zusammengedrückten Krallen, und der lange, buschige Schwanz (von einem zarten Kalksteinabdruck bekannt) sprechen vielmehr dafür, dass die Mitglieder der Gattung Plesiadapis baumbewohnende Vierbeiner waren.

Die phylogenetischen Beziehungen zwischen den einzelnen Arten der Plesiadapiden wurden gründlich untersucht, und es gibt ausgezeichnete Dokumentationen über den evolutionären Wandel in dieser Familie (Gingerich, 1976). Die primitiven Pronothodectes aus dem mittleren Paläozän Wyomings und Montanas waren offenbar die Vorfahren von zwei Linien, die jeweils eine eigene Gattung repräsentieren. Nannodectes aus dem späten Paläozän hat relativ schmale Backenzähne, zeigt aber mit Ausnahme der späteren, moderneren Arten eine sehr geringe Gebissreduktion Die andere Gattung, Plesiadapis aus dem späten Paläozän und frühen Eozän Nordamerikas und Europas, weist eine stärkere Gebissreduktion zwischen den großen mittleren Schneidezähnen und den breiten Backenzähnen auf. Es gibt zwei verschiedene Linien innerhalb der Gattung Plesiadapis, eine Linie wird in der Körpergröße kleiner, die andere Linie größer. In Nordamerika gipfelt diese Größenzunahme in Plesiadapis cookei, einem der größten archaischen Primaten. Die spätesten europäischen Plesiadapiden werden durch Platychoerops repräsentiert, einer weiteren großen Gattung.

Einer der markantesten Plesiadapiden war Chiromyoides aus Nordamerika und Europa. Diese relativ kurzgesichtige Form hatte robuste Schneidezähne, relativ flache Backenzähne und ernährte sich wahrscheinlich von Samen.

Ein möglicher Plesiadapide ist Asioplesiadapis aus dem frühen Eozän, der aus Wutu in China gemeldet wurde. Obwohl Asioplesiadapis in seiner Morphologie der Schneidezähne und mit seiner niedrigeren Zahnormel (1.0.3.3) den Plesiadapiden ähnelt, lässt seine sehr kleine Körpergröße und die relativ primitiven Backenzähne eine Linie vermuten, die sich von der aus Europa und Nordamerika unterscheidet.

Van Valen (1994) interpretierte die Gattung Pandemonium, basierend auf mehreren isolierten Zähnen aus Montana, als Bindeglied zwischen Purgatorius und Plesiadapiden. Die phylogenetische Analyse verschiedener Zahnmerkmale deutet darauf hin, dass Pandemonium näher an der Wurzel aller Plesiadapoidea, einer Überfamilie, zu der neben den Plesiadapidae auch die Familien Carpolsestidae und Saxonellidae gezählt werden, anzusiedeln ist (Silcox et. al., 2001). Alle drei Familien teilen Details in ihrer Morphologie der Schneidezähne und Molaren.

M. T. Silcox, D. W. Krause, M. C. Maas and R. C. Fox. 2001. New specimens of Elphidotarsius russelli (Mammalia, ?Primates, Carpolestidae) and a revision of plesiadapoid relationships. Journal of Vertebrate Paleontology 21(1):132-152

Van Valen L.M. 1994. The origin of the plesiadapid primates and the nature of Purgatorius. Evol Monogr 15:1-79

Gingerich P.D. 1976. Cranial anatomy and evolution of early Tertiary Plesiadapidae (Mammalia, Primates). Univ Mich Pap Paleontol 15:1-141

Szalay, F.S. 1975. Approaches to Primate Paleobiology. Karger, Basel.

Russell D.E. 1964. Les mammifères paléocènes d'Europe. Mémoires du Museum national d'histoire naturelle. Nouv. série. Série C, Sciences de la Terre

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