Evolution der Primaten: Gattung Ignacius

Zeitraum: mittleres Paläozän bis spätes Eozän
Gewicht: 157 - 306 g
Verbreitung: Nordamerika
Arten: I. fremontensis
I. frugivorous
I. graybullianus
I. clarkforkensis
Systematik
ein aus

Ignacius ist der Gattungsname von vier ausgestorbenen Primatenarten aus der Familie Paromomyidae (Tribus Phenacolemurini innerhalb der Unterfamilie Phenoacolemurinae), die vom mittleren Paläozän bis ins späte Eozän in Nordamerika verbreitet waren.

Paläontologen von der University of Florida veröffentlichten 2007 eine Studie, welche die Basis unseres Stammbaumes und seine Wurzeln um 10 Millionen Jahre erweitert und neues Licht auf den Ursprung und die frühesten Stadien der Primatenevolution wirft.

Die Studie, die online in Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht wurde, erbringt zwingende Beweise, dass eine Gruppe von archaischen Säugetieren, Plesiadapiformes genannt, näher mit den Primaten verwandt ist als mit den Riesengleitern (Dermoptera), wie man bisher annahm.

Die zweiteilige Studie untersuchte mehr als 85 Exemplare von modernen und ausgestorbenen Arten und beweist, dass Plesiadapiformes die primitivsten Primaten sind. Das Team entdeckte auch zwei 56 Millionen Jahre alte Fossilien, die primitivsten Primatenskelette, die jemals beschrieben wurden.

"Diese Fossilfunde aus Wyoming zeigen, dass unsere frühesten Primatenvorfahren nicht größer als eine Maus waren, Früchte fraßen und in den Bäumen lebten", sagt Teamleiter Jonathan Bloch, Wirbeltierpaläontologe am Florida Museum of Natural History. "Es ist schon bemerkenswert, wenn man sich vorstellt, dass wir immer noch neue fossile Arten in einem Gebiet entdecken, das bereits seit über 100 Jahren von Paläontologen erforscht wird."

Bloch und sein Co-Autor Doug Boyer, Anatomiestudent an der Stony Brook University entdeckten die neuen Arten Ignacius clarkforkensis und Dryomomys szalayi etwas außerhalb des Yellowstone National Parks im Bighorn Basin von Wyoming.

Ignacius war der Wissenschaft zuvor nur von Schädeln und isolierten Knochen bekannt. Andere Wissenschaftler haben vermutet, dass das Tier kein archaischer Primat war, sondern mit den Riesengleitern (Dermoptera) verwandt war. Indessen widerlegten nun Bloch und sein Team diese Idee, basierend auf der Analyse eines vollständigen und gut erhaltenen Skeletts. Die zweite Art Dryomomys hatte einen Schädel von der Größe einer Traube und erreichte eine Körperlänge von etwa 15,2 cm.

"Durch den Untergang der Dinosaurier öffneten sich für Säugetiere große ökologische Räume, dadurch hatten sie die Möglichkeit, viele neue Arten auszubilden, was sie dann auch taten - und zwar schnell", sagt Bloch. "Das Paläozän vor ungefähr 65 bis 55 Millionen Jahren ist jener Zeitraum, der zwischen dem Aussterben der Dinosaurier und dem ersten Auftreten einer Reihe moderner Säugetierordnungen liegt."

Forscher haben schon zuvor vermutet, dass die Plesiadapiformes die Vorfahren der heutigen Primaten sein könnten, jedoch wurde diese Annahme innerhalb der paläontologischen Gemeinschaft heftig diskutiert; Bloch und sein Team sind nun die ersten, die starke phylogenetische Beweise zugunsten dieser Annahme erbringen. Das Team verglich 173 Merkmale moderner Primaten, Spitzhörnchen und Riesengleiter mit Skeletten von Mitgliedern der Plesiadapiformes um zu bestimmen, welche Arten am engsten miteinander verwandt sind.

"Die Zusammenarbeit in dieser Form ist die erste, die Erkenntnisse aller Skelettregionen kombiniert und eine gute Perspektive auf die Struktur des ältesten Teils des Primatenstammbaums bietet ", sagt Bloch.

Moderne Primaten sind durch mindestens fünf charakteristische Merkmale gekennzeichnet: ein relativ großes Gehirn, nach vorne gerichtete Augen, die Fähigkeit zu springen, Nägel statt Krallen auf mindestens den ersten Zehen und spezialisierte Greifhände und -füße. Plesiadapiformes haben einige, aber nicht alle dieser Merkmale. Bloch und sein Team argumentieren, dass diese frühen Primaten diese Eigenschaften über einen Zeitraum von 10 Millionen Jahren Schritt für Schritt erworben haben könnten, um ihre Umwelt optimal zu nutzen.

Bloch ist der Meinung, dass sich die Plesiadapiformes im Zuge der Veränderungen bei blühenden Bäumen, die in diesem Zeitraum beobachtet werden, angepasst haben. Als sich die Bäume weiterentwickelten, passten sich die frühen Primaten an, indem sie effizienter bei der Nutzung der Blüten, Früchte und Exsudate wurden - und beim Fangen von Insekten, die von den gleichen Nahrungsquellen angelockt wurden.

"Plesiadapiformes waren seit langem eine der umstrittensten Tiergruppen in Bezug auf die Phylogenie der Säugetiere", sagt Michael J. Novacek, Kurator für Paläontologie am American Museum of Natural History. "Erstens kann man Plesiadapiformes irgendwo in der Nähe der Primaten und uns selbst ansiedeln. Zweitens wurden in der Vergangenheit zwar verlockende, aber sehr oft unvollständige, fossile Beweise erbracht. Doch die Exemplare in dieser Studie sind wunderschön und spektakulär gut erhalten erhalten."

Zu Blochs Team gehörten auch Anthropologieprofessor Eric Sargis von der Yale University und Mary Silcox von der University of Winnipeg.

W. D. Matthew and W. Granger. 1921. New genera of Paleocene mammals. American Museum Novitates 13:1-7

J. I. Bloch, M. T. Silcox, D. M. Boyer, and E. J. Sargis. 2007. New Paleocene skeletons and the relationship of plesiadapiforms to crown-clade primates. Proceedings of the National Academy of Sciences in USA, 104(4):1159-1164

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