





Die ersten primatenähnlichen Säugetiere (oder Proto-Primaten) entwickelten sich im frühen Paläozän. Sie waren in ihrer Größe und ihrem Aussehen heutigen Eichhörnchen oder Baumspitzmäusen nicht unähnlich.
Fragmentarisch erhaltene Fossilien aus Nordamerika und Nordafrika zeigen, dass sie an eine arboreale Lebensweise in warmem, feuchtem Klima angepasst waren. Arboreal bedeutet so viel wie "baumlebend". Die Ur-Primaten waren vermutlich schon mit verhältnismäßig gutem Sehvermögen sowie mit Händen und Füßen ausgestattet, die an das Klettern in den Bäumen angepasst waren. Diese primatenähnlichen Säugetiere (Plesiadapiformes und Euprimateformes) sind heute schon recht gut erforscht, da bereits viele versteinerte Zeugnisse von ihnen gefunden wurden.
Doch auch nachdem die Dinosaurier vor ungefähr 65½ Millionen Jahren einem massiven, globalen Artensterben von Pflanzen und Tieren zum Opfer fielen, scheinen primatenähnliche Säugetiere vorerst keine besondere Rolle bei der allgemeinen Formenwandlung der terrestrischen Arten gespielt zu haben.
Die dramatischsten Veränderungen dieser Zeit wurden zunächst durch das Erscheinen großer, grasfressender Weidetiere hervorgerufen. Mit ihren Hufen, Mahlzähnen und der Entwicklung eines speziellen Magen-Darmtraktes, der auf die Verdauung von Gras, Blättern und anderer faseriger Pflanzenteile spezialisiert war, schufen sie die Grundlage für die Evolution der nachfolgenden fleischfressenden Säugetiere. Die Nachkommen dieser altertümlichen fleischfessenden Jäger und Aasfresser gehören heute in der Mehrzahl zu den Hunden, Katzen und Bären.
Fast alle dieser neuen Arten waren plazentare Säugetiere. Mit Ausnahme von Fledermäusen und Flughunden drang jedoch keins dieser Säugetiere bis nach Australien oder Neu-Guinea vor (bis sie schließlich vor etwa zweihundert Jahren von weißen Siedlern auch dort eingeführt wurden).
Südamerika war von Afrika weggedriftet und für ca. 80 Millionen Jahre nicht mehr mit Nordamerika verbunden. Beide Kontinente kollidierten jedoch vor ca. 20 Millionen Jahren erneut und so wanderten erstmals plazentare Säugetiere nach Südamerika ein - mit dem Ergebnis, dass bis auf wenige Arten die meisten der dort heimischen Beuteltiere ausstarben.
