Evolution der Primaten: Gattung Rooneyia

Zeitraum: spätes Eozän
Verbreitung: Nordamerika
Art: R. viejaensis
Systematik
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Rooneyia heißt eine Gattung früher Primaten aus dem späten Eozän, die in Nordamerika verbreitet war.

Rooneyia ist nur durch einen einzigen Schädel (Szalay, 1976; Wilson, 1966) bekannt. Rooneyia wurde früher in die Familie Omomyidae gestellt, doch verschiedene Aspekte der Zahn- und Schädelanatomie sind im Vergleich zu anderen Omomyiden ungewöhnlich, so ist es möglich, dass Rooneyia überhaupt gar kein Mitglied der Familie Omomyidae ist. Seit seiner Entdeckung ist Rooneyia verschiedentlich als frühes Mitglied der Tarsiiformes oder möglicherweise der Anthropoidea (Eigentliche Affen) ausgelegt worden, einer anderen Analyse zufolge gehört Rooneyia eher zu den Adapiformes [19].

Das Typusexemplar (der Schädel) unterscheidet sich von bekannten Omomyiden in einer Reihe von Merkmalen, etwa durch die reduzierte und aufgetriebene petromastoide Region des Schläfenbeins, durch das verschmolzene Stirnbein, durch eher quadratische als runde Orbita [?], durch niedrigkronige obere Backenzähne mit gut entwickelten Conuli und robusten, echten Hypoconi, die fast so groß wie die Protoconi sind.

Schädel und Zähne von Rooneyia
Rooneyia viejaensisaus Texa, Typusexemplar mit der Bezeichnung UTBEG 40688-7 in lateraler Ansicht sowie P2 - M3 in okklusaler Ansicht.

Weitere Merkmale von Rooneyia sind das Vorhandensein eines röhrenförmigen Gehörgangs, ein Eingang in den Tränen-Nasen-Kanal (Foramen lacrimale), der sich anterior zum Orbitalrand befindet, das Fehlen einer postorbitalen Schließung und ein Foramen magnum, das sich nach hinten öffnet. Die taxonomische Stellung von Rooneyia ist nach wie vor fraglich (Wilson, 1966; Simons, 1968; Szalay, 1976;. Ross et al, 1998). Um die genauen verwandtschaftlichen Beziehungen zu verstehen, sind weitere Funde nötig.

Zur Systematik von Rooneyia viejaensis

Rooneyia ist der einzige nicht-anthropoide Primat (außer Tarsius), den man als "auf dem Weg" zur Entwicklung einer postorbitalen Schließung [?] bezeichnen könnte. Szalay's Interpretation (1976) von Rooneyia als Omomyide wurde eine der einflussreichsten Arbeiten in der Paläontologie (siehe Szalay und Delson, 1979; Fleagle, 1999; Gunnell und Rose, 2002), und sein umfassender Überblick über die Evolution der Haplorrhini trug auch maßgeblich zu der Ansicht bei, dass die Omomyiden die wahrscheinlichste Stammgruppe der Anthropoidea sind (Rosenberger und Szalay, 1980). Wörtlich genommen ist diese Vorstellung selbst eine komplexe Angelegenheit, da sie impliziert, dass Szalay's Omomyiden paraphyletisch [?] sind. In den Jahrzehnten seit seiner bahnbrechenden Monographie kamen Forscher immer mehr zu der Überzeugung, dass dies tatsächlich der Fall ist (z. B. Rosenberger, 1985). Also, wenn die Familie Omomyidae im Sinne Szalays nicht monophyletisch [?] ist, ist dann Rooneyia eine der Taxa, deren Einbeziehung in die Familie diese zwingend paraphyletisch macht - und die engen phylogenetischen Beziehungen zwischen vielen "Omomyiden" und Tarsiern (Koboldmakis) verdeckt ?

Die Ansichten, die man über die Systematik von Rooneyia hört, sind entsprechend. Gunnell und Rose, zum Beispiel stellen Rooneyia in die Unterfamilie Omomyinae innerhalb der Omomyidae, merken jedoch an (2002:70), "Die taxonomisch Position von Rooneyia ist fraglich... und weitere Beweise werden benötigt, um die verwandtschaftlichen Beziehungen zu erhellen." "Dennoch gehen sie in ihrer Klassifizierung nicht so weit, die Gattung aus der Familie zu entfernen, wie sie es mit einigen anderen fragwürdigen Gattungen getan haben, die sie als "problematische Taxa" bezeichnen (Ekgmowechashala, Altanius, Kohatius, Afrotarsius, Altiatlasius. Siehe Delson et al., 2000).

Link zu Rooneyia viejaensis  Link zu Rooneyia viejaensis (mit Fundkarte)

J.A. Wilson. 1966. A new primate from the earliest Oligocene, west Texas, preliminary report. Folia Primatologica, 4

F.S. Szalay. 1976. Systematics of the Omomyidae (Tarsiiformes, Primates): Taxonomy, phylogeny, and adaptations. Bulletin of the american Museum of Natural History 156

F. S. Szalay, E. Delson. 1979. Evolutionary History of the Primates. Academic Press, New York.

A. L. Rosenberger, F. S. Szalay. 1980. On the tarsiiform origins of Anthropoidea. In Evolutionary Biology of New World Monkeys and Continental Drift. R.L. Ciochon & A.B. Chiarelli,

A. L. Rosenberger. 1985. In favor of the necrolemur-tarsier hypothesis. Folia Primatologica, 45:179-194.

E. Delson, C. J. Terranova, W. L. Jungers, E. J. Sargis, N. G. Jablonski, P. C. Dechow. 2000. Body mass in Cercopithecidae (Primates, Mammalia): estimation and scaling in extinct and extant taxa. Anthropological Papers of the American Museum of Natural History 83

G. F. Gunnell, K. D. Rose. 2002. Tarsiiformes: evoltionary history and adaptation. In: W. Hartwig (Ed.) The Primate Fossil Record. Cambridge University Press, Cambridge

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