Evolution der Primaten - Pondaungia und Amphipithecus

Zeitraum: Eozän
Unterkiefer von Pondaungia cotteri
Unterkiefer von Pondaungia cotteri. Ansicht lingual (A), labial (B) und occlusal (C). (Maßstrich, 1 cm.) © 2000, The National Academy of Sciences. Lizenz
Verbreitung: Asien
Arten: P. cotteri
P. minuta
Schwestertaxa: Bugtipithecus
Ganlea
Myanmarpithecus
Siamopithecus
Systematik
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Fossilien von Pondaungia stammen aus Myanmar, früher Burma. Die Sedimente, in denen die Fossilien gefunden wurden sind zwischen 48,6 und 33,9 Millionen Jahre alt.

In welcher Gegend der Welt lag der Ursprung jener Primaten, deren Evolutionslinie schließlich zum Menschen führte? Wo sollte man am besten suchen?

Diese Frage ist eine der am heißesten diskutierten Kontroversen in der Paläontologie. Lange Zeit deuteten die meisten fossilen Überreste auf Afrika, wo Wissenschaftler die Knochen eines fingerknöchelgehenden Affen gefunden haben, der vor etwa 20 Millionen Jahren dort lebte. Die Rede ist von Dryopithecus, einem menschenaffenähnlichen Wesen, von dem man annimmt, dass seine Nachkommenslinie zu den modernen Menschenaffen und schließlich zum Menschen führt.

Die Vorfahren der Dryopithecidae scheinen ebenfalls in Afrika gelebt zu haben, darauf deuten jedenfalls die von Elwyn Simons von der Duke University gefundenen Fossilien in der Nähe von Kairo hin, die etwa 30 Millionen Jahre alt sind (Aegyptopithecus). Als aber 1979 ein Team aus burmesischen und amerikanischen Wissenschaftlern 40 Millionen Jahre alte Primatenfossilien von der Pondaung-Formation in Burma vorstellte, stand die anthropologische Welt Kopf. Könnte es sein, dass die frühesten menschlichen Wurzeln in Südostasien liegen?

Die Fossilien, von denen hier die Rede ist, bestehen aus vier unscheinbaren Fragmenten eines Unterkiefers. Sie wurden von dem Paläontologen Donald Savage von der University of California, Berkeley und dem Anthropologen Russell Ciochon von der University of North Carolina, Charlotte, wissenschaftlich beschrieben.

Man fand die Überreste in den Pondaung Hills westlich von Mandalay in alten Seeablagerungen eingebettet, unterhalb einer Ebene mit marinen Organismen, genannt Foraminiferen. Und eben diese Foraminiferen erlaubten die recht sichere Datierung auf etwa 40 Millionen Jahre vor heute. Dem Fund konnten auch Fossilien anderer Tiere zugeordnet werden, von denen bekannt ist, dass sie in der gleichen Periode gelebt haben, dies macht die Datierung noch sicherer. Bei diesen Beifunden handelt es sich um Reste von Eidechsen, verschiedenen Arten von Schildkröten und monströsen Krokodilen.

Die fossilen Knochen und Zähne waren aber nicht die ersten Fragmente, die man in den Pondaung Hills gefunden hat. In den 19-zwanziger Jahren, bevor Burma (heute Myanmar) von Großbritannien unabhängig wurde, haben Wissenschaftler um den legendären US-Forscher Barnum Brown (Pilgrim, 1927 und Colbert, 1937) ähnliche Exemplare gefunden. Die Fossilien waren schlecht erhalten, aber sie schienen zwei leicht unterschiedliche Arten von Primaten zu repräsentieren, die man Pondaungia und Amphipithecus nannte. Ihre Entdeckung hat nicht wenige Anthropologen davon überzeugt, dass die Wurzeln der höheren Primaten in Asien lägen.

Beide Primaten scheinen rund 13,6 kg gewogen zu haben und ihr Erscheinungsbild soll etwa dem eines Rhesuaffen in Form und Größe geglichen haben. Ihre Ernährung bestand wahrscheinlich aus Früchten und anderer Vegetation. Savage meint dazu: „Sie waren eine Art Affe mit menschenaffenähnlichen Zähnen, die durch die Bäume kletterten”. Pondaungia und Amphipithecus könnten somit noch frühere gemeinsame Vorfahren von Affen und Menschenaffen sein als Aegyptopithecus, und sie könnten eine Verbindung zurück zu solch niedrigeren Primaten wie Lemuren und Koboldmakis darstellen. Das würde sie sehr nahe an den Beginn der Evolution der Haplorrhini stellen und Ciochon spekuliert, dass sie Afrika über Westasien erreichten, wo sie sich dann zu den Vorfahren der Australopithecinen (Vormenschen) weiterentwickelt haben könnten.

Bevor aber die meisten Anthropologen damit einverstanden sein werden, dass Asien gewissermaßen der Nährboden der Entwicklung zu den höheren Primaten ist, müssen weitere Beweise gesammelt werden. Die vier Unterkieferfragmente sind heute im Besitz der Regierung von Myanmar.

Pondaungia cotteri aus dem späten Mitteleozän ist die größte Primatenart von der Pondaung Formation in Myanmar. Wegen der nur fragmentarisch vorhandenen Überreste kam es zu vielen wissenschaftlichen Diskussionen über den taxonomischen Status von Pondaungia cotteri. Zunächst als ein Mitglied der Unterordung Haplorrhini (Trockennasenaffen, echte Affen) beschrieben, haben einige Autoren vor kurzem Pondaungia den ausgestorbenen Adapiformes, einer Unterordnung der Strepsirrhini (Feuchtnasenaffen, früher Halbaffen) zugeordnet.

Diese heftigen Diskussionen sind nicht nur auf die Unvollständigkeit der Fossilien von Pondaungia zurückzuführen, sondern auch auf die Zurückhaltung vieler Autoren, Asien als eine wichtige evolutionäre Bühne eozäner Haplorhini anzuerkennen.

Quellen: Time Magazin, 1979.

Yaowalak Chaimanee et.al. A lower jaw of Pondaungia cotteri from the Late Middle Eocene Pondaung Formation (Myanmar) confirms its anthropoid status. Proc Natl Acad Sci U S A. 2000 April 11; 97(8): 4102-4105.

J.-J. Jaeger, Y. Chaimanee, P. Tafforeau, S. Ducrocq, A. N. Soe, L. Marivaux, J. Sudre, S. T. Tun, W. Htoon and B. Marandat. 2004. Systematics and paleobiology of the anthropoid primate Pondaungia from the late middle Eocene of Myanmar. Comptes Rendus Palevol 3:243-255

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