Evolution der Primaten - Proteopithecidae

Zeitraum: Oligozän
Gewicht:  
Verbreitung: Nordafrika
Gattungen: Proteopithecus
Serapia
Schwestertaxa: Afrotarsiidae
Amphipithecidae
Eosimiidae
Oligopithecidae
Catarrhini
Parapithecoidea
Platyrrhini
Systematik
ein aus

Proteopithecidae nennt man eine ausgestorbene Primatenfamilie aus der Unterordnung Anthropoidea (Höhere Primaten).

Man kennt zwei Gattungen, die aus der Fayum-Senke in Ägypten beschrieben wurden: Proteopithecus und Serapia. Von Proteopithecus gibt es fossile Schädel, Unterkiefer und fragmentarisch erhaltenes postcraniales Skelettmaterial. Alle Überreste ähneln den Platyrrhini, so glaubt man, dass die kleinen Primaten in etwa die Größe eines kleinen Krallenaffen erreichten (Simons, 1997).

Die Entdeckung von Proteopithecus hat jedoch das Bild der komplizierten Primatenevolution, wie sich sich in der Fayum abzuzeichnen scheint, kaum vereinfacht. Proteopithecus unterscheidet sich von Catopithecus in der Beibehaltung von drei Prämolaren in jedem Quadranten des Kiefers. Dieses primitive Merkmal kennt man auch von Parapitheciden und Neuweltaffen (Platyrrhini), so dass es ein Erkennungszeichen von frühen Anthropoiden zu sein scheint. Aber die Backenzähne von Proteopithecus sind weit primitiver als die der Parapitheciden und Platyrhini. Zum Beispiel behielt Proteopithecus den paraconiden Höcker auf dem ersten Molaren M1 bei, auch sind die Trigonide der unteren Molaren wesentlich größer als die entsprechenden Talonide. Die oberen Backenzähne sind in Querrichtung breit - ähnlich wie die bestimmter Omomyiden. Kein Merkmal des Gebisses von Proteopithecus ähnelt besonders stark einer der anderen drei Gruppen der Fayum-Anthropoiden.

Auch als ein zerbrochener Schädel und einige Gliedmaßenknochen auftauchten, konnten die Beziehungen zu anderen Fayum Primaten nicht eindeutig geklärt werden. Die naheliegendste Lösung war, Proteopithecus in eine vierte Gruppe von frühen Anthropoiden zu stellen und und es dauerte nicht lange, bis die neue Familie Proteopithecidae vorgeschlagen wurde.

Angespornt durch die Entdeckung von Catopithecus und Proteopithecus bei Steinbruch L-41, konzentrierten einige Wissenschaftler ihre Feldforschung in der Fayum auf diesen einzigen Ort. Nicht ohne Erfolg, denn schließlich kamen drei weitere Arten von Anthropoiden zum Vorschein. Dazu gehörten ein zweiter Proteopithecidide namens Serapia eocaena, der zwar etwas größer war, aber ansonsten sehr ähnlich wie Proteopithecus aussah, und ein kleiner und sehr primitiver Anthropoide namens Arsinoea kallimos, der kaum einer der vier Hauptgruppen aus der Fayum entspricht, und ein kleiner Parapithecide namens Abuquatrania basiodontos.

Proteopithecus ist einer der häufigsten Anthropoiden von L-41 und scheint ein tagaktiver Primat gewesen zu sein, darauf deuten zumindest die relativ kleinen Orbita [?] hin. Der Schädel zeigt eine postorbitale Schließung [?] sowie eine vollständige Fusion der Stirnknochen. Außerdem waren die Tiere sexuell dimorph, denn die Männchen hatten größere Eckzähne, was wiederum bedeutet, dass zumindest ein Teil der Anthropoiden von L-41 in komplexen sozialen Gruppen lebte, ähnlich wie viele heutige Affen. Basierend auf der Anatomie der Zähne glaubt man, dass sich alle frühen Anthropoiden von L-41 von Früchten ernährten. Einige oder alle diese Arten ergänzten ihre Nahrung wahrscheinlich mit Insekten, Samen und andere Arten von Nahrungsmitteln.

Skelettreste zeigen, dass sich die Proteopithecidae ähnlich wie viele heute lebende Neuweltaffen fortbewegten. Bei den Hinterbeinen ist die schlanke Tibia (Schienbein) etwas länger als der Oberschenkelknochen, was darauf hindeutet, dass Proteopithecus ein agiler Baumbewohner war, der sich vierbeinig und springend fortbewegte, ähnlich wie heutige Marmosetten.

Simons und Seiffert (1999) sind der Meinung, dass Proteopithecus unter allen Primaten am ehesten Ähnlichkeiten mit den Neuweltaffen (Platyrrhini) aufweist und daher als Schwestertaxon angesehen werden kann. Die Gattung Serapia, die man früher den Parapitheciden zuordnete, ist Proteopithecus sehr ähnlich, aber etwas größer und gehört wahrscheinlich auch in diese Familie. Kay et al. (2004) ordnen die beiden Gattungen nach wie vor den Parapithecidae zu.

E. L. Simons, J. M. Plavcan, and J. G. Fleagle. 1999. Canine sexual dimorphism in Egyptian Eocene anthropoid primates: Catopithecus and Proteopithecus. Proceedings of the National Academy of Sciences 96(5):2559-2562

E. L. Simons. 1997. Preliminary description of the cranium of Proteopithecus sylviae, an Egyptian late Eocene anthropoidean primate. PNAS 1997 94 (26) 14970-14975

E. R. Miller and E. L. Simons. 1997. Dentition of Proteopithecus sylviae, an archaic anthropoid from the Fayum, Egypt. PNAS December 9, 1997 vol. 94 no. 25 13760-13764

E. L. Simons, E. R. Seiffert. 1999. A partial skeleton of Proteopithecus sylviae (Primate, Anthropoidea): Firs associated dental and postcranial remains of an Eocene anthropoidean, C. R. Acad. Sci. 11. 329:921-927

R. F. Kay, B. A. Williams, C. F. Ross, M. Takai, and N. Shigehara. 2004. Anthropoid origins: a phylogenetic analysis. in Anthropoid Origins: New Visions (eds. C.F. Ross and R.F. Kay) 91-135

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