| Aegyptopithecus | |
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| Aegyptopithecus zeuxis ist der Größte unter den in der Fayum entdeckten Primaten | |
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| Zeitraum: | Oligozän |
| Gewicht: | 6.700 g |
| Verbreitung: | Nordafrika |
| Art: | A. zeuxis |
| Schwestertaxa: | Propliopithecus Oligopithecus |
| Systematik | |
Aegyptopithecus ist der Gattungsname einer ausgestorbenen Primatenart aus der Familie Propliopithecidae, die im Oligozän in Nordafrika heimisch war. Seine Überreste stammen aus der Fayum in Ägypten und sind zwischen 33,9 und 28,4 Millionen Jahre alt.
Elwyn Simons nannte die Spezies Aegyptopithecus zeuxis und der imposante Name des Fossils sollte seine Bedeutung für die Paläoprimatologie unterstreichen. Die Namen vieler Paläontologen und Paläoanthropologen sind eng mit den wichtigsten Fossilien, die sie entdeckten, verbunden. So wird Jacob Wortman immer mit frühen Primaten Tetonius und dem Dinosaurier Diplodocus in Verbindung gebracht werden, Louis und Mary Leakey sind für immer mit Zinjanthropus verbunden und Donald Johanson hat eine ähnliche Verbindung mit "Lucy", der berühmtesten Repräsentantin der Spezies Australopithecus afarensis. Mehr als alle anderen Fossilen in der langen Liste seiner Entdeckungen ist Aegyptopithecus das Tier, das Elwyn L. Simons berühmt gemacht hat.
Wie alle anderen Fayum-Primaten, die zu dem Zeitpunkt bekannt waren, war Aegyptopithecus zunächst durch nichts mehr als ein paar Unterkiefer dokumentiert. Die Untersuchung dieser ergab, dass Aegyptopithecus etwa so groß wie ein Gibbon war, mit dicken unteren Eckzähnen, zwei unteren Prämolaren auf jeder Seite der Kiefer und Backenzähne, die von vorn nach hinten größer wurden. Obwohl Aegyptopithecus nach Maßstäben modernen Affen und Menschenaffen nur von mittlerer Größe war, ist er bis heute der größte Primat, der jemals in der Fayum gefunden wurde.
Mit seiner Körpergröße und der Vergrößerung der Backenzähne von vorne nach hinten glich er späteren Primaten aus Ostafrika, vor allem miozänen Affen wie Proconsul, den Leakey und andere in Kenia entdeckt hatten. Simons interpretierte dies als Beweis dafür, dass die Hauptlinien der heute lebenden Menschenaffen bereits im Oligozän ihren Ursprung hatten. Aegyptopithecus, so argumentierte er, war ein frühes Mitglied der Gruppe, zu der auch Dryopithecus und die heutigen großen Menschenaffen (Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen und) gehören und Propliopithecus markierte möglicherweise den Beginn der Linie, zu dem Ramapithecus, Australopithecus und Homo gehören. Plötzlich schien das hohe Alter der menschlichen Abstammungslinie nicht mehr ganz so weit hergeholt.
Wären nicht bessere Fossilien von Aegyptopithecus aufgetaucht, dieses Tier würde trotz seiner kritischen Position auf dem Stammbaum in einführenden Lehrbüchern der Anthropologie kaum mehr Platz finden als seine obskuren Zeitgenossen. Dass Aegyptopithecus zu einer Berühmtheit wurde ist Grant Meyer zu verdanken, der bei frühen Fayum-Expeditionen für die Logistik verantwortlich war. Er erblickte den oberen Teil eines Primatenschädels, der aus dem Sand an einer der ergiebigsten Fundstellen der Fayum herausragte. Wie jeder erfahrene Fossiliensucher, widerstand Meyer der starken Versuchung, den Fund auszugraben und an Ort und Stelle vom umgebenden Gestein zu befreien. Stattdessen imprägnierte er den exponierten Teil des Schädels - und alles andere in der unmittelbaren Umgebung - mit stabilisierenden Leim, versah den Fund mit einem robusten Gipsmantel und schickte das Ganze nach New Haven. Es dauerte mehrere hundert Mannstunden anspruchsvoller und geschickter Präparation, um zu enthüllen, was Meyer gefunden hatte. Das Exemplar übertraf in Sachen Vollständigkeit alle Erwartungen. Rund ein Jahr nach dem das Fossil gefunden wurde, schrieb Simons mit sichtlicher Zufriedenheit: "Es ist schwer zu sagen, ob unsere Überraschung oder unsere Freude größer war, als sich allmählich zeigte, dass Meyer nicht nur ein paar Schädelfragmente, sondern einen fast vollständigen Schädel von Aegyptopithecus gefunden hatte."
Meyers Schädel wurde schnell zu einer Ikone der Paläoanthropologie und erregte die Aufmerksamkeit der Boulevardpresse. In vielerlei Hinsicht entsprach Aegyptopithecus dem, was vielen Menschen in den Sinn kommt, wenn sie von einem "missing link" sprechen. Seine affenähnlichen Zähne und nach vorne gerichteten Augen sahen bemerkenswert fortschrittlich aus - fast menschlich. Auf der anderen Seite war Aegyptopithecus mit seiner langen, hundeähnlichen Schnauze und kleinen Schädelkapazität äußerst primitiv, als Überbleibsel aus dem Eozän gebrandmarkt.
Seit ihrer ersten Entdeckung wurden Propliopithecus und Aegyptopithecus auf Grundlage der Ähnlichketen im Gebiss mit heute lebenden Hominoiden als frühe Menschenaffen und zu einem späteren Zeitpunkt als fossilen Menschenaffen aus Europa und Afrika klassifiziert (Schlosser, 1911; Simons, 1967, 1972, 1985; Szalay und Delson, 1997 ). Die Ähnlichkeiten zu lebenden Menschenaffen sind jedoch primitive anthropoide Eigenschaften anstatt Spezialisierungen. Das zunehmende Wissen über die Schädelanatomie und die Anatomie des postcranialen Skeletts hat gezeigt, dass diese frühen Anthropoiden in vielen Aspekten ihrer Anatomie eher den Neuweltaffen (Platyrrhini) als den Altweltaffen (Catarrhini) glichen. Sie haben alle die charakteristischen Merkmale der Anthropoiden (verschmolzene Unterkiefersymphyse, postorbitale Schließung, Tränenbein innerhalb der Orbita), sind aber mit heutigen Catarrhini nur durch ihre Zahnformel 2.1.2.3 verbunden. Es fehlen Spezialisierungen in der Anatomie der Gehörregion und der Gliedmaßen, die heute lebende Menschenaffen und Altweltaffen gemeinsam ist, und sie weisen die primitivere Morphologie der Neuweltaffen auf. So sind die Fayum "Affen" weder Altweltaffen noch Menschenaffen, sondern eine primitive Gruppe von Catarrhini, die der evolutionären Divergenz und der anschließenden Auffächerung der beiden Gruppen vorausgingen.
M. Schlosser. 1911. Beiträge zur Kenntnis der Oligozänen Landsäugetiere aus dem Fayum, Aegypten. Beitr. Palaeontol. Oestereich-Ungarns Orients 6:1-127
E. L. Simons. 1965. New fossil apes from Egypt and the initial differentiation of Hominoidea. Nature 205:135-139
E. L. Simons. 1967. Review of the phyletic interrelationships of Oligocene and Miocene Old World Anthropoidea. In Evolution des vertrebres: Problemes actuels de palaeontologie. Actes CNRS Col Int. 163:597-602
E. L. Simons. 1972. Primate Evolution: An Introduchtion to Man's Place in Nature. New York: Macmillan.
F.S. Szalay und E. Delson. 1979. Evolutionary History of the Primates. Academic Press, New York
E. L. Simons. 1985. Origins and characteristics of the first hominoids. In Ancestors: The Hard Evidence, ed. E. Delson, pp. 37-41. New York: Alan R. Liss.
P. D. Gingerich. 1978. The Stuttgart collection of Oligocene primates from the Fayum Province of Egypt. Paläontologische Zeitschrift 52(1/2):82-92
