Aegyptopithecus zeuxis ist ein ausgestorbener Primat aus der Familie Propliopithecidae (Catarrhini innerhalb der Anthropoidea, Höhere Primaten), der im Oligozän in Nordafrika verbreitet war.
Das Typusexemplar mit der Bezeichnung CGM 26901 ist ein linker Unterkieferast mit Prämolaren und Molaren (P4-M2), mit teilweise erhaltenen Alveoli [?] eines Eckzahns sowie P3 und M2 und der Symphysis. Der Fund stammt aus der Jebel Qatrani Formation (Fayum, Ägypten) und ist zwischen 33,9 und 28,4 Millionen Jahre alt.
Aegyptopithecus zeuxis war mit 6 bis 8 Kilogramm ein relativ großer Primat und gehört heute zu den am besten erforschten fossilen Anthropoiden. Im Gebiss unterscheidet sich Aegyptopithecus von seinem Verwandten Propliopithecus durch schmälere Schneidezähne, durch größere Höcker und engere talonide Becken auf den unteren Molaren und durch besser entwickelte Conuli auf den oberen Molaren. Im Gegensatz zu Propliopithecus, bei dem die drei unteren Backenzähne ähnlich lang sind, nimmt die Größe bei Aegyptopithecus von vorne nach hinten zu. Insgesamt legen die Unterschiede im Gebiss nahe, dass sich Aegyptopithecis zeuxis zwar weitgehend Früchten ernährte, aber wahrscheinlich Blätter einen größeren Anteil an der Gesamternährung hatten, als bei Propliopithecus. Beide Arten weisen bei den Eckzähnen sexuellen Dimorphismus auf, was darauf hindeutet, das sie in polygynen sozialen Gruppen lebten.
Die Schädelanatomie von Aegyptopithecus ist primitver als die eines jeden heute lebenden Altweltaffen, aber weiter fortgeschritten, als die der primitiven Primaten aus dem Eozän. Der Schädel ähnelt anderen Anthropoiden dadurch, dass das Tränenbein [?] innerhalb der Orbita [?] liegt. Diese sind relativ klein (was auf eine tagaktive Lebensweise hindeutet) und sind hinten völlig geschlossen, und zwar mit einer knöchernen Konfiguration, die heute lebenden Catarrhini ähnelt und anders ist als bei Platyrrhini (Fleagle und Rosenberger, 1983). Aegyptopithecus hat für einen Anthropoiden ein sehr großes Zwischenkieferbein [?] und die Oberflächenmorphologie der Schädelknochen ändert sich dramatisch mit zunehmendem Alter (Simons, 1987). Ältere Individuen entwickeln einen ausgeprägten Sagittalkamm, der sich vorne teilt und sich über die Augenbrauen erstreckt. Entlang des hinteren Randes des Hinterhauptbeins [?] verläuft ein großer Nackenkamm. Die Gehörregion ähnelt stark den Platyrrhini: Das Trommelfell ist von einem knöchernen Ring umgeben, der an der seitlichen Oberfläche der Bulla ohne knöcherne Röhre fusioniert.
Das Gehirn des Aegyptopithecus war im Vergleich mit den Gehirnen von heute lebenden Anthropoiden relativ klein, aber verglichen mit anderen oligozänen Säugetieren oder primitiven Primaten aus dem vorangegangenen Eozän relativ groß. Der Bereich des Scheitelbeins [?] war vergrößert (Radinsky, 1974).
Von den Gliedmaßen des Aegyptopithecus kennt man Oberarmknochen und Elle des Vorderbeins, das Hinterbein ist durch Sprungbein, Fersenbein und Mittelfußknochen bekannt. Alle diese Skelettelemente zeigen, dass Aegyptopithecus ein robuster, auf Bäumen lebender Vierbeiner war. Die Fußknochen zeigen, dass ein zum Greifen fähiger Hallux vorhanden und der Fuß extrem beweglich war. In vielen anatomischen Details sind die Gliedmaßen von Aegyptopithecus denen von Platyrhini und primitiven Primaten ähnlicher als denen heute lebender Menschen- oder Tieraffen. Aegyptopithecus zeuxis zeigt viele primitive Merkmale, die spätere Catarrhini verloren haben.
E. L. Simons. 1965. New fossil apes from Egypt and the initial differentiation of Hominoidea. Nature 205:135-139
