| Parapapio | |
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| Zeitraum: | spätes Miozän bis frühes Pleistozän |
| Verbreitung: | Süd- und Ostafrika |
| Arten: | P. ado P. antiquus P. broomi P. jonesi P. whitei P. lothagamensis |
| Schwestertaxa | Cercopithecoides Dinopithecus Libypithecus Gorgopithecus Paracolobus Paradolichopithecus Procynocephalus Rhinopithecus Cercopithecinae Colobinae |
| Systematik | |
Parapapio ist der Gattungsname einer Reihe von ausgestorbenen Primaten, die vom späten Miozän bis in frühe Pleistozän in Afrika verbreitet waren.
Parapapio scheint ein ausgestorbener Pavian zu sein. In Bezug auf die Morphologie der Zähne und des Schädels ist er das primitivste Mitglied der Pavian-Mangaben-Gruppe und wahrscheinlich in der Nähe der Abstammungslinie beider heute lebender Gattungen anzusiedeln.
Die Körpergröße von Parapapio liegt etwa zwischen Mangaben und Savannenpavianen, und es scheint diesbezüglich wenig Sexualdimorphismus zu geben.
Die Arten der Gattung Parapapio sahen vermutlich ähnlich wie heutige Paviane (Papio) aus und suchten ihre Nahrung in geschlossenen und offenen Bereichen sowohl auf dem Boden als auch in den Bäumen. Es ist auch wahrscheinlich, dass sie eine ähnliche soziale Organisation wie heutige Savannenpaviane hatten. Cercocebus sp. und Parapapio jonesi bewohnten wahrscheinlich eher Uferbereiche.
Der Gattungsname Parapapio wurde erstmals von Jones (1937) verwendet, um eine Sammlung von fossilen Pavianschädeln aus Sterkfontein zu beschreiben. Alle Exemplare in dieser Sammlung, mit einer Ausnahme, gehörten offensichtlich einer einzigen Art, Parapapio boomi, an. Die Ausnahme, wie man später festgestellte, waren Überreste von Cercopithecoides williamsi. Da immer mehr Material aus Sterkfontein verfügbar wurde, erkannte Broom (1940), dass es sich in der Tat um drei Arten von Parapapio handelte. Sie unterschieden sich in Größe - die größte Arte nannte er Parapapio whitei und die kleinste Parapapio jonesi. Den Namen Parapapio broomi behielt er für Paviane mittlerer Größe bei. Vertreter dieser drei Arten sind heute auch von anderen Höhlenfundstellen Südafrikas bekannt, etwa aus Taung, Makapansgat, Swartkrans, Bolt Farm und Kromdraai A. Weiterhin scheint die Gattung auch an anderen Fossilienfundstätten in Ostafrika vertreten zu sein (Simons und Delson, 1978).
Es scheint verwunderlich, dass drei eng verwandte Arten von Parapapio, die sich nur in der Größe unterschieden, gleichzeitig und in unmittelbarer Nähe in Sterkfontein und Makapansgat gelebt haben sollen und vermutlich auch anderswo. Doch dies scheint wirklich der Fall gewesen zu sein, und es gibt derzeit keine Beweise, dass die Exemplare aus Member 4 bei Sterkfontein in der Zeit getrennt sind. Sie treten bei Sterkfontein und Makapansgat in etwa der gleichen relativen Häufigkeit auf, wobei Parapapio broomi die häufigste Art ist, gefolgt von Parapapio jonesi und dann Parapapio whitei.
Morphologisch sind die Gebisse von Parapapio und Papio kaum zu unterscheiden. Der wichtigste anatomische Unterschied zwischen den Gattungen liegt im Profil der Schnauze, wenn man sie von der Seite betrachtet. Bei Parapapio bilden die Nasen- und Stirnknochen eine gerade Linie oder leicht konkave Kurve von der Glabella bis zum hinteren Rand der Nasenöffnung, während bei Papio das Profil vor der Glabella sofort stark konkav ist (Abb. rechts).
In einer detaillierten Studie über den Schädel von Papio ursinus (Bärenpavian) stellte Jones (1978) fest, dass eine Unterscheidung zwischen Papio und Parapapio basierend auf dem Schnauzenprofil möglicherweise nicht so zuverlässig ist wie bisher angenommen. In einem Trupp von Pavianen aus Simbabwe fand Jones Individuen sowohl mit dem typischen Profil von Papio als auch mit dem typischen Profil von Parapapio.
Die fossilen Primaten, die von M3 stammen, wurden von einer ausgestorbenen Hyänenart (Hyaena makapani) erbeutet. Wenn man craniales und postcraniales Material zusammen nimmt, machen Primaten etwa 1,4% aller Exemplare von M3 aus (Reed, 1996)
Die Parapapio Arten sind die häufigsten Primaten von Member 3. Wahrscheinlich bewohnten sie das Buschland, sowie die Uferbereiche von Flüssen. Es ist wahrscheinlich, dass die Hyänen aus Member 3 im Buschland und den angrenzenden Waldrändern häufiger jagten oder nach Aas suchten. Da Cercocebus und die großen colobinen Arten in dieser Umgebung am wenigsten vertreten sind, geht man davon aus, dass sie überwiegend im Wald lebten, anders als die Parapapio Arten, die im Buschland zuhause waren. Obwohl Parapapio jonesi möglicherweise ein Baumbewohner war, lebten die anderen beiden Arten wahrscheinlich in Konkurrenz miteinander, so dass sie die Früchte und Blätter ähnlich wie die Arten der Gattung Hapalemur (Familie Lemuridae) aufteilten (Wright, 1988). Eine andere Möglichkeit wäre, dass es im pliozänen Buschland mehr Früchte tragende Bäume gab, und so mehr Arten nebeneinander existieren konnten. Eine weitere Alternative besteht darin, dass es nur zwei Arten von Parapapio gab (McKee, 1991), die ihre Nischen so aufteilten, dass eine Art meistens auf Bäumen lebte, die andere mehr auf dem Boden.
T. R. Jones. 1937. A new fossil primate from Sterkfontein, Krügersdorp, Transvaal. South African Journal of Science 33:709-728
R. Broom. 1940. The south African Pleistocene cercopithecoid apes. Annals of the Transvaal Museum 20:89-100
T. R. Jones. 1978. The skull and mandible of the South African baboon: A morphological study. Johannesburg: Witwatersrand University Press
E. L. Simons, E. Delson. 1978. Cercopithecidae and Parapithecidae. In: Evolution of African mammals. ed. V. J. Maglio and H. B. S. Cooke. Harvard University Press, Cambridge, MA. pp. 100-119
P. C. Wright. 1988. Lemurs lost and found. Nat. Hist. 97(7):56-66
J. McKee. 1991. Paleo-ecology of the Sterkfontein hominids: a review and synthesis. Palaeontol. Afr. 28:41-51
K. E. Reed. 1996. The paleoecology of Makapansgat and other African plio-pleistocene hominid localities. Ph. D. dissertation, SUNY, Stony Brook, NY
