| Australopithecus |
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| Zeitraum: | Plio-Pleistozän |
| Verbreitung: | Südafrika |
| Schwestertaxa: | A. aethiopicus A. africanus A. boisei A. robustus |
| Art: | A. sediba |
| Systematik | |
Australopithecus sediba war ein aufrecht gehender Menschenaffe aus der Familie Hominidae, der im Pleistozän in Südafrika verbreitet war.
Das Typusexemplar mit der Bezeichnung MH1 ist ein Teilskelett eines Jugendlichen mit teilweise erhaltenem Schädel und einem fragmentierten Unterkiefer. Der Fund stammt aus der Malapa Cave in Südafrika und ist zwischen 1,95 und 1,78 Millionen Jahre alt.
Im Jahr 2010 berichtete der Paläoanthropologe Lee Berger über die Entdeckung des Australopithecus sediba (="südlicher Affe von der natürlichen Quelle" in der Sprache der Sotho) in Höhlen nördlich von Johannesburg in Südafrika. Diese Hominiden - das erste Fossil wurde im Jahr 2008 von Bergers Sohn Matthew entdeckt, als er mit seinem Hund spielte - scheinen Merkmale sowohl von frühen Menschen als auch von Menschenaffen zu haben, z. B. haben sie lange, Orang-Utan-ähnliche Unterarme und einen kleinen Schädel, gleichzeitig haben sie aber weit ausladende Hüften und ein flaches Gesicht, wie die frühen Arten der Gattung Homo. Australopithecus sediba ging auf dem Boden aufrecht auf zwei langen Beinen, aber durch die Bäume kletterte er mit seinen menschenaffenähnlichen Armen. Die Fossilien sind etwa 1,95 Millionen Jahre alt, das ist nahe an dem Punkt, als unsere eigene Gattung Homo im Entstehen begriffen war. Berger schlug vor, dass Australopithecus sediba ein Nachkomme von Australopithecus africanus und ein möglicher Vorfahre von Homo erectus ist, der wiederum ein unmittelbarer Vorfahre von Homo sapiens ist. Er schließt aber nicht aus, dass Australopithecus sediba einen eng verwandten Seitenzweig repräsentiert haben könnte, der nicht zum Menschen führte.
Australopithecus sediba ist eine umstrittene Art von Australopithecus. Die Überreste stammen von mindestens vier Individuen, die im "Cradle of Humankind World Heritage" in Südafrika entdeckt wurden. Eins der Individuen ist ein junger Mann (MH1, der Holotypus), weitere Knochen gehören zu einer erwachsenen Frau (MH2), mindestens zu einem weiteren Erwachsenen und einem 18-Monate alten Säugling. Über 130 Fragmente der neuen Art sind bisher geborgen worden (Berger et al., 2010).

Aufgrund der Vielzahl von Mosaikmerkmalen in der Morphologie des Schädels und des postcranialen Skeletts sind die Autoren der Meinung, dass Australopithecus sediba eine Übergangsart zwischen dem südafrikanischen Australopithecus africanus und entweder Homo habilis oder sogar Homo erectus darstellt. Das Gehirnvolumen des Jugendlichen, das zu dessen Lebzeiten etwa 95 % des Gehirnvolumens eines Erwachsenen erreicht haben dürfte, liegt bei schätzungsweise 420 Kubikzentimeter. Das ist in etwa der obere Bereich für A. africanus und weit entfernt vom unteren Bereich eines frühen Homo. Aber der Unterkiefer und die Zähne sind sehr grazil, wie man es z.B. bei einem Homo erectus erwarten würde. Die Ähnlichkeit ist sogar so groß dass man - wären Zähne und Unterkiefer isoliert ohne entsprechendes Skelett oder Schädel gefunden worden - sie ohne weiteres als Homo klassifiziert werden könnten. Allerdings sieht der Bereich zwischen den Zahnhöckern eher wie bei Australopithecus aus.
Ein weiteres interessantes Beispiel für die breite Palette der innerartlichen Variation dieser Spezies ist die Tatsache, dass die Zähne von MH1, dem jugendlichen Exemplar, größer sind als die von MH2, dem erwachsenen weiblichen Exemplar. Unabhängig davon, welcher Art man MH1 und MH2 nun zurechnet, mit dem Fund dieser neuen Fossilien hat sich die Variationsbreite innerhalb der Gattung Australopithecus stark erhöht.
Nach Meinung von Berger et al. (2010) ist Australopithecus sediba, verglichen mit seinem Vorfahren Australopithecus africanus, der Gattung Homo näher als Australopithecus afarensis oder Australopithecus garhi. Sie stützen ihre Annahme vor allem auf eine Reihe von Synapomorphien, die die Reorganisation des Beckens von Homo erectus bereits vorwegnehmen und die mit "energetisch effizienterem Gehen und Laufen" verbunden sind. Die Ober- und Unterschenkel sind nur fragmentarisch erhalten und der Fuß ist primitiv. Das Gehirn ist mit einem Volumen von rund 420 bis 450 Kubikzentimeter, etwa ein Drittel so groß, wie das des modernen Menschen.
P. H. G. Dirks, J. M. Kibii, B. F. Kuhn, C. Steininger, S. E. Churchill, J. D. Kramers, R. Pickering, D. L. Farber, A.-S. Mériaux, A. I. R. Herries, G. C. P. King and L. R. Berger. 2010. Geological setting and age of Australopithecus sediba from southern Africa. Science 328:205-208
L. R. Berger, D. J. de Ruiter, S. E. Churchill, P. Schmid, K. J. Carlson, P. H. G. M. Dirks, and J. M. Kibii. 2010. Australopithecus sediba: a new species of Homo-like australopith from South Africa. Science 328:195-204
