Evolution der Primaten: Gattung Otavipithecus

Zeitraum: Miozän
Verbreitung: Afrika, Namibia
Unterkiefer (Holotypus) von Otavipithecus aus Namibia, laterale Ansicht.
Arten: O. namibiensis
Systematik
ein aus

Otavipithecus ist der Gattungsname eines ausgestorbenen Menschenaffen aus der Unterfamilie Dryopithecinae (Tribus Afropithecini, Familie Hominidae, Überfamilie Hominoidea). Der mittelgroße Menschenaffe war im Miozän in Afrika verbreitet.

Im Jahr 1991 fanden Forscher in Namibia ein 13 Millionen Jahre altes Unterkieferfragment. Es ist das erste Exemplar eines ausgestorbenen Menschenaffen aus dem südlichen Teil des afrikanischen Kontinents.

Man schätzt, dass der Primat rund 14 - 20 Kilogramm wog und etwa die Größe eines heutigen Gibbon hatte. Das Fossil wurde der neuen Gattung und Art Otavipithecus namibiensis zugeordnet. Es wurde vorgeschlagen, dass Otavipithecus entweder

  1. die Schwestergruppe aller großen Menschenaffen
  2. die Schwestergruppe der afrikanischen Menschenaffen und Menschen
  3. die Schwestergruppe der afrikanischen Menschenaffen oder
  4. die Schwestergruppe der Menschen

repräsentiert (Andrews 1992; Begun 1994b, Conroy 1994).

Andrews (1992) ist der Meinung, dass Otavipithecus eine Reihe von Merkmalen mit den früheren Afropithecinae teilt und daher ein später Überlebender dieser Linie ist.

Die verfügbaren Informationen über das Gebiss (dünner Backenzahnschmelz, wenig Abnutzung, abgeleiteter, kleiner Schneidezahnkomplex) lassen vermuten, dass Otavipithecus von weicher, nicht abrasiver Nahrung lebte und daher wahrscheinlich ein Baumbewohner war. Möglicherweise ernährte er sich von Blättern, Beeren, Samen, Knospen und vielleicht Blüten. Diese Nahrung muß von den Schneidezähnen vor dem Kauen kaum vorbereitet werden und enthält keine abrasiven Partikel, wie etwa Sandkörner.

Im Jahr 1992 fand man zwei weitere Fossilien von Otavipithecus: einen Teil einer Elle und einen Fingerknochen, der sehr stark gebogen ist. Diese Funde deuten auf einen mittelgroßen, baumlebenden und vierbeinigen Primaten, der eine ähnlich primitive Form der Fortbewegung zeigte, wie man bei Mitgliedern der Familie Proconsulidae beobachtet.

Untersuchungen der Fauna am Fundort deuten darauf hin, dass Otavipithecus in einer baumbestandenen Savannenumgebung lebte. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge von nicht weniger als 700 mm zeigt, dass die Region in dieser Zeit wesentlich feuchter war und nicht die semi-ariden Bedingungen aufwies, die heute in dieser Region vorherrschen (Conroy et al. 1993).

P. Andrews. 1992. Evolution and environment in the Hominoidea. Natur 360:641-646

G. C. Conroy, M. H. Pickford, B. Senut and P. Mein. 1993. Diamonds in the desert: The discovery of Otavipithecus namibiensis. Evolutionary Anthropology. 2:46-52

G. C. Conroy. 1994. Otavipithecus: or how to build a better hominid - not. J. hum. Evol. 27: 373–383

D. R. Begun. 1994. The significance of Otavipithecus namibiensis to interpretations of hominoid evolution. Journal of Human Evolution 27:385-394

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