| Griphopithecus | |
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| Zeitraum: | Miozän |
| Verbreitung: | Europa |
| Arten: | G. alpani G. suessi |
| Schwestertaxa: | Kenyapithecus |
| Systematik | |
Griphopithecus ist der Gattungsname zweier ausgestorbener Menschenaffen aus der Familie Hominidae (Tribus Kenyapithecini innerhalb der Unterfamile Dryopithecinae), die im Miozän in Eurasien verbreitet waren.
Die ersten Überreste eines Hominoiden, die aus Europa gemeldet und anhand von Gebissresten als Griphopithecus darwinii beschrieben wurden, stammen aus der Nähe der Ortschaft Neudorf-Sandberg in der Slowakei (Abel, 1902). Sie werden heute wegen des dicken Zahnschmelzes und anderen morphologischen Merkmalen der Gattung Kenyapithecus zugeordnet (Begun, 1992). Das Alter des ersten Auftretens dieser Hominoiden in Eurasien wurde vielfach diskutiert, vor allem wegen der umstrittenen zeitlichen Einordnung des Fundortes bei Neudorf-Sandberg.
Zum Stamm (Tribus) Kenyapithecini zählt man zwei Gattungen: Kenyapithecus und Griphopithecus. Die ältere Gattung Griphopithecus besteht aus drei Arten: dem europäischen Griphopithecus darwini aus der Slowakei mit einem Alter von etwa 15 Millionen Jahren, seinem Zeitgenossen Griphopithecus alpani aus Pasalar in der Türkei und einer noch unbenannten Art, die auf ein Alter von rund 16 Millionen Jahren datiert wird (Steininger et al., 1996; Kelley 2002). Allerdings scheint die Veröffentlichung eines hominoiden Zahns aus Engelswies in Deutschland, der ebenfalls zu Griphopithecus gehören könnte, das erste Erscheinen dieser Gattung auf 16,5 Millionen Jahre zurück zu verlegen (Heizmann & Begun, 2001).
Vor etwa 17 Millionen Jahren breiteten sich frühe Menschenaffen in Eurasien aus. Die ältesten Funde stammen aus Anatolien, dem asiatischen Teil der Türkei, und aus Deutschland. Sie sind etwa 16,5 Millionen Jahre alt und können somit kurz vor dem Beginn des mittleren Miozäns eingeordnet werden (Heizmann und Begun, 2001).
Diese Menschenaffen sind heute als Griphopithecus bekannt, und sie unterscheiden sich von ihren afrikanischen Vorfahren in einer Reihe von Merkmalen. Sie haben ein eher modern aussehendes Gebiss mit reduzierten Cingulae und Backenzähne mit breiten, flachen Höckern (Kelley, 2002). Der Zahnschmelz ist dick, wie bei einer Reihe von früh-miozänen Formen, aber die Muster der Abnutzungsspuren sehen anders aus.
Die Zähne von Griphopithecus neigen dazu, sich flach abzutragen, da das darunter liegende Dentin auch eher flach und nicht hügelig ist, wie man es bei Proconsul oder Afropithecus beobachtet. Bei letzterem gibt es daher tiefe Gruben in ungeschützten Zahnbeinen. Die flach abgenutzen Molare von Griphopithecus deuten auf eine Ernährung hin, die stark abrasiv war, wobei das freiliegende Dentin, das weicher als der Zahnschmelz ist, schnell abgetragen wurde. Die dicke, mehr gleichmäßige Schicht aus Zahnschmelz könnte auf kraftvolles Brechen und Zermahlen der Nahrung hinweisen. Ähnliche Molare findet man auch bei fossilen Menschenaffen, bei den Australopithecinen und bei frühen Mitgliedern unserer eigenen Gattung Homo. Sie werden in der Regel als Hinweis auf eine aus harten Pflanzenteilen bestehende Nahrung interpretiert. Moderne Orang-Utans und einige Affen der Neuen Welt haben ähnliche Zähne. Griphopithecus könnte auf dem Boden nach Nahrung gesucht haben, wobei er immer wieder auf harte Steinchen gebissen hätte, oder er ernährte sich von Pflanzenteilen, die zur Verteidigung gegen Fraß harte Bestandteile entwickelt haben. So oder so, die Zähne sind moderner und deuten auf eine Veränderung in der Ernährung hin.
Griphopithecs ist meist nur von einzelnen Zähnen bekannt, aber ein paar Kieferfragmente sind ebenfalls vorhanden. Ihre Morphologie steht im Einklang mit den gefundenen Zähnen, die auf eine Nahrung hindeuten, die starkes Kauen erfordert. Sehr wenig ist über das übrige Skelettsystem von Griphopithecus bekannt. Eine Reihe von Phalangen (Finger- und Zehenknochen) und ein paar Fragmente der Gliedmaßen zeigen (so weit man das beurteilen kann) ein Skelett, das ähnlich konstruiert gewesen sein könnte wie das von Proconsul und Afropithecus - beide sind generalisierte baumlebende Vierbeiner ohne die fortschrittlicheren, suspensorischen (hangelnden) Fähigkeiten, wie man sie von heute lebenden Menschenaffen kennt (Begun, 1992; Ersoy et al., 2008). Griphopithecus lebte in Europa bis vor etwa 14 Millionen Jahren, bevor er ausstarb.
Eine sehr ähnliche Gattung namens Equatorius, etwa 15 Millionen Jahre alt, wurde in Kenia gefunden (Ward & Duren, 2002). Eine andere, eng verwandte Gattung mit Namen Kenyapithecus erscheint auch zunächst in der Türkei und dann, etwa vor 13,5 Millionen Jahren auch in Kenia. Schließlich gibt es eine letzte Form aus dieser Gruppe, die heute als Nacholapithecus bekannt ist und ebenfalls in Kenia gefunden wurde. Nacholapithecus ähnelt den beiden anderen sehr, außer dass die Arme viel länger als die Beine sind. Dies könnte bereits ankündigen, was noch kommen sollte, denn alle Hominoiden (außer dem Menschen) haben sehr viel längere Arme als Beine. Bei Nacholapithecus ist der Unterschied zwar weniger ausgeprägt, aber trotzdem bedeutet dies, dass er seine Arme beim Klettern mehr einsetzte, als es etwa heute lebende cercopithecoide Primaten zu tun pflegen (Ishida et al. 2004).
O. Abel. 1902. Zwie neue Menschenaffen aus den Leithakalkbildingen des wiener Bekkens. S. Ber. Akad. Wiss. Wien. math-nat. 1:1171-1202
D. R. Begun. 1992. Miocene fossil hominoids and the chimp-human clade. Science 257:1929-1933
F. F. Steininger, W. A. Berggren. D. V. Kent, r. L. Bernor, S. Sen, J. Austi. 1996. Circum-Mediterranean Neogene (Miocene and Pliocene) marine-continental chronologic correlations of European mammal units. In: R. L. Bernor, V. Fahlbus, H. W. Mittmann (eds), The Evolution of Western Eurasian Later Neogene Faunas, pp 7-46. New York: Columbia University Press.
E. Heizmann, D. R. Begun. 2001. The oldest European hominoid. Journal of Human Evolution 41:465-481
J. Kelley. 2002. The Hominoid Radiation in Asia. In WC Hartwig (ed.), The Primate Fossil Record (pp. 369–384). Cambridge: Cambridge University Press
S. Ward, D. A. Duren. 2002. Middle and late Miocene African hominoids. In: W. C. Hartwig (ed.) The Primate Fossil Record. Cambridge, UK. Cambridge University Press
H. Ishida, Y. Kunimatsu, T. Takano, Y. Nakano, M. Nakatsukasa. 2004. Nachalopithecus Skeleton from the Middle Miocene of Kenya. Journal of Human Evolution 46:1-35
A. Ersoy, J. Kelley, P. Andrews. B. Alpagut. 2008. Hominoid Phalanges form the middle Miocen Site of Pasalar, Turkey. Journal of Human Evolution 54(4):518-529
