Evolution der Primaten: Gattung Kenyapithecus

Zeitraum: Miozän
Verbreitung: Ostafrika
Arten: K. africanus
K. wickeri
Schwestertaxa: Griphopithecus
Systematik
ein aus

Kenyapithecus ist der Gattungsname zweier ausgestorbener Arten von Menschenaffen aus der Familie Hominidae (Tribus Kenyapithecini innerhalb der Unterfamilie Dryopithecinae), die im Miozän in Ostafrika verbreitet waren.

Die meisten Fossilien afrikanischer Menschenaffen stammen in erster Linie aus dem frühen Miozän. Nicht so Kenyapithecus, er wurde in Sedimenten des mittleren Miozäns entdeckt, die auf eine trockene und offene Waldumgebung hindeuten. Bislang wurden zwei Arten aus Kenia beschrieben, Kenyapithecus africanus von Maboko Island und aus dem Baringo Becken, und der etwas jüngere, weniger bekannte Kenyapithecus wickeri von Fort Ternan. Einige Forscher stellen K. africanus in die Gattung Equatorius (Ward et al., 1999).

Im Vergleich zu den Proconsuliden aus dem frühen Miozän hat Kenyapithecus einen dickeren molaren Zahnschmelz, einen robusteren Unterkiefer und größere obere Prämolaren. Allerdings sind die unteren Schneidezähne relativ groß, was auf eine mögliche Ernährung von Samen hinweist (McCrossin & Benefit, 1994).

Dicker Zahnschmelz ist in der Regel mit der Einnahme von harten Nahrungsteilen verbunden, dieses Merkmal findet man bei Pflanzenfressern, nicht bei Früchte- oder Fleischfressern. Darüber hinaus kann man durch die Analyse von mikroskopischen Abnutzungsspuren etwas über die Zusammensetztung der Nahrung erfahren, denn unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten hinterlassen unterschiedliche Muster auf dem Zahnschmelz.

Kenyapithecus ist ein gutes Beispiel für gewisse Schlussfolgerungen, die aus der Analyse der Zähne gezogen werden können. Einige Forscher waren der Meinung, dass der Fundort von Fort Ternan von einem tropischen Wald umgeben war. Allerdings deuten die Analysen der mikroskopischen Abnutzungsmuster auf den Zähnen von Kenyapithecus auf eine Ernährung von kleinen, harten Pflanzenteilen hin (Martin, 1985), die eigentlich in einem offeneren Lebensraum zu erwarten wären.

Kappelman (1991) fand in seiner Studie über das Paläoklima von Fort Ternan - dem Ort, an dem man Kenyapithecus wickeri entdeckte - eine mögliche Erklärung für die Dicke des Zahnschmelzes bei Kenyapithecus. Nach der Analyse der boviden Fauna [?], welche dort die häufigste ist, schloss Kappelman, dass die dortige Umwelt im mittleren Miozän einer offenen Savanne entsprochen haben mußte. Daher geht Kappelman (1991) bei Kenyapithecus von einer mehr terrestrischen Lebensweise aus als etwa bei Sivapithecus aus dem späten Miozän. Er sieht darin ein primitives Merkmal und kein apomorphes Verhalten, was die Annahme stützt, dass harte Lebensmittel ein wichtiger Bestandteil der Ernährung von Kenyapithecus waren.

Viele Aspekte des Skeletts zeigen, dass Kenyapithecus, ähnlich wie den Proconsuliden, bestimmte hominoide Merkmale des Ellenbogens und des Oberarms fehlen. Allerdings zeigt Kenyapithecus eine stärkere Ausprägung von terrestrischen Anpassungen als die frühen miozänen Arten, dazu gehört ein prominenter Tuberculum majus [?] und ein nach hinten gerichteter medialer Epikondylus [?] auf den Oberarmknochen (McCrossin & Benefit, 1994).

Die phylogenetische Stellung von Kenyapitecus wird seit vielen Jahren diskutiert. Ursprünglich dachte man an einen frühen Hominiden, wie etwa beim asiatischen Ramapithecus, von dem sich später herausstellte, dass es sich um einen weiblichen Sivapithecus handelt. In jüngerer Zeit haben mehrere Fachautoren argumentiert, dass Kenyapithecus wegen seines dicken Zahnschmelzes und seiner großen Prämolaren abseits von der Auffächerung der modernen Hominoiden anzusiedeln sei (z. B. Andrews, 1992). Neue Skelettelemente von mehreren Fundorten weisen darauf hin, dass Kenyapitecus wahrscheinlich der am meisten terrestrisch lebende Hominoide des miozänen Afrika war (McCrossin & Benefit, 1997). Die zahlreichen phylogenetischen Analysen der Zähne und Gliedmaßen konnten zwar nicht belegen, dass Kenyapithecus näher mit heute lebenden Menschenaffen (und Menschen) verwandt ist als es etwa Proconsuliden sind (z.B. Begun et al., 1997), aber neuere Funde deuten darauf hin, dass Merkmale der Hand und des Handgelenks doch sehr menschenaffenähnlich sind (McCrossin et al., 1998).

L. B. Martin. 1985. Significance of enamel thickness in hominoid evolution. Nature 314:260-263

J. Kappelman. 1991. The paleoenvoronment of Kenyapithecus at Fort Ternan. Journal of Human Evolution. 20:95-129

P. Andrews. 1992. Evolution and environment in the Hominoidea. Nature 360:641-646

M. McCrossin, B. R. Benefit. 1994. Maboko Island and the evolutionary history of Old World monkeys and apes. In: Integrative Paths to the Past, ed. R. S. Corruccini and R. L. Ciochon, pp. 95-122. Englewood Cliffs: Prentice Hall.

M. McCrossin, B. R. Benefit. 1997. On the relationships and adaptations of Kenyapithecus, a large-bodied hominoid from the middle Miocene of eastern Africa. In: D. R. Begun, C. V. Ward and M. D. Rose (Eds) Function, Phylogeny and Fossils Miocene Hominoid Evolution and Adaptations. Plenum, New York, 241-268

D. R. Begun, C. V. Ward and M. D. Rose (Eds) Function, Phylogeny and Fossils Miocene Hominoid Evolution and Adaptations. Plenum, New York

M. L. McCrossin, B. R. Benefit, S. N. Gitau. 1998. Functional and phylogenetic analysis of the distal radius of Kenyapithecus with comments on the origin of the African great ape and human clade. Am. J. phys. Anthrop. 26 :158

S. Ward, B. Brown, A. Hill, J. Kelley, W. Downs. 1999. Equatorius: a new hominoid genus from the middle Miocene of Kenya. - Science, 285: 1382-1386

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