Evolution der Primaten: Die Gattung Praeanthropus

Zeitraum: spätes Miozän bis Pliozän
Verbreitung: Afrika
Art: Pr. tugenensis
Pr. bahrelghazali
Pr. garhi
Pr. anamensis
Schwestertaxa Ardipithecus
Systematik
ein aus

Der Gattungsname Praeanthropus geht auf einen taxonomischen Vorschlag von Cela-Conde and Ayala (2003) zurück.

In den beiden Jahrzehnten vor und nach der Jahrtausendwende tauchten menschenähnliche Fossilien auf, die auf ein Alter zwischen 3,5 und fast 7 Millionen Jahre datiert werden. Ein Resultat dieser aufregenden Funde war, dass man nicht weniger als vier neue Gattungen innerhalb der Familie Hominidae ins Leben rief: Ardipithecus, Orrorin, Kenyanthropus und Sahelanthropus.

Diese Exemplare werden von ihren Entdeckern mit morphologischen Merkmalen beschrieben, die es zu rechtfertigen scheinen, sie innerhalb der Familie Hominidae zu platzieren. Die Entdeckung dieser Fossilien hat das Alter der ältesten bekannten Hominiden um 2 Millionen Jahre nach hinten verschoben. Vorher wurden nur zwei oder drei Hominidengattungen - Australopithecus, Paranthropus und Homo - angenommen, wobei einige Autoren Paranthropus als eine Untergattung von Australopithecus definierten.

Aus der Klassifizierung der neu entdeckten Arten ergeben sich zwei Fragen: erstens, sollte wirklich jede dieser Fossilien in der Familie Hominidae platziert werden, und zweitens, sind bestimmte Merkmale so einzigartig, um die Schaffung von vier neuen Gattungen zu rechtfertigen? Die Antworten hängen wiederum davon ab, was ein Hominide überhaupt ist und wie eine Gattung definiert ist. Die Exemplare scheinen eine ausreichende Anzahl von morphologischen Merkmalen zu besitzen, um innerhalb der Hominidae platziert werden zu können. Nach Ansicht von Cela-Conde und Ayala (2003) rechtfertigen allerdings die Art des morphologischen Nachweises und ein auf Anpassung basierendes Konzept des Begriffs "Gattung" nicht die Schaffung von vier neuen Gattungen. Sie schlagen eine Klassifizierung vor, die vier klar definierte Gattungen umfasst: Praeanthropus, Ardipithecus, Australopithecus und Homo, plus eine vorläufige (incertae sedis) Gattung Sahelanthropus.

Phylogenetik der Hominiden nach Celaconde und Ayala

Phylogenie der Gattungen aus der Hominiden-Familie. Es werden vier verschiedene Gattungen in Übereinstimmung mit vier Arten der Anpassung vorgeschlagen.

  1. Die Gattung Praeanthropus (früher unter dem Namen Australopithecus bekannt) entwickelt den aufkommenden Bipedalismus auf dem Boden der tropischen Wälder.
  2. Die Gattung Ardipithecus entwickelt als Anpassung an die Ernährung dünnen molaren Zahnschmelz, ähnlich wie afrikanische Menschenaffen.
  3. Die Gattung Australopithecus (früher auch Paranthropus genannt) entwickelt durch die harten pflanzlichen Ressourcen der Savanne einen robusten Kauapparat.
  4. Die Gattung Homo entwickelt grazile Oberkiefer und Zähne. Danach setzt die Entwicklung eines größeren Schädels ein und es erfolgt eine kulturelle Anpassung an das Leben in der Savanne durch die Herstellung von Steinwerkzeugen.

Die vorgeschlagenen Namen folgen den Regeln der Taxonomie, wonach der erste vergebene Name einer Gattung bevorzugt verwendet wird. Die phylogenetische Lage sowie die taxonomische Einordnung von Sahelanthropus ist unsicher. Taxa, die in der obigen Grafik nebeneinander stehen (durch ein Komma getrennt), stellen eng verwandte Arten dar oder sind - nach Ansicht einiger Autoren - identisch. Arten, die mit einem Sternchen gekennzeichnet sind, repräsentieren die "Species germinalis" [?], d.h. den Ursprung einer Gattung.

C. J. Cela-Conde and F. J. Ayala. 2003. Genera of the human lineage. Proceedings of the National Academy of Sciences 100(13):7684-7689

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