| Chororapithecus | |
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| Zeitraum: | mittleres Miozän |
| Verbreitung: | Afrika |
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| Dieser spärliche Fossilfund beweist die Anwesenheit eines gorilla-ähnlichen Menschenaffen in Afrika vor 10 Millionen Jahren. © Science | |
| Art: | C. abyssinicus |
| Schwestertaxa: | Hominidae Hylobatidae Proconsulidae Equatorius Homo Kamoyapithecus |
| Systematik | |
Chororapithecus ist der Gattungsname eines ausgestorbenen Menschenaffen, der im Miozän in Afrika verbreitet war.
Entdeckungen von Fossilien können bisweilen zu neuen Interpretationen des Verlaufs der Evolutionsgeschichte führen. Die Entdeckung eines 10 Millionen Jahre alte Menschenaffen in Äthiopien im Jahr 2007, von dem man annimmt, dass er ein Vorfahr des Gorillas ist, ist ein gutes Beispiel dafür.
Genetische Analysen deuteten auf eine Spaltung der Menschenlinie und der Linie der anderen afrikanischen Menschenaffen irgendwann vor 5 bis 8 Millionen Jahren hin. Die Wissenschaftler, die jene neun fossilen Zähne entdeckten, die zur Benennung einer neuen Art führten, haben gezeigt, dass sich die Linie der Gorillas gut und gerne 2 bis 4 Millionen Jahre früher abspaltete, als die genetischen Analysen zu beweisen schienen. Die Art Chororapithecus abyssinicus ist nach Chorora, der Region, in der das Fossil gefunden wurde, und Abessinien, dem alten Namen für Äthiopien benannt.
Die Handvoll Zähne repräsentieren die ältesten Fossilien eines möglicherweise direkten Vorfahren des modernen Gorillas, die jemals gefunden wurden. Der Eckzahn und die acht Backenzähne lassen nach Ansicht der Autoren auch kaum Zweifel aufkommen, dass sowohl Menschen als auch moderne Menschenaffen tatsächlich aus Afrika stammen. Seit Jahren war es Wissenschaftlern nämlich nicht gelungen, in Afrika Fossilien der direkten Vorfahren der modernen Menschenaffen aus der Zeit zwischen 8 und 14 Millionen Jahren zu finden.
Die fast vollständige Abwesenheit von fossilen Menschenaffen auf dem Kontinent in diesem Zeitraum veranlasste viele zu der Annahme, dass die Linie, aus der Menschen und Menschenaffen hervorgingen, einen langen evolutionären Umweg über Eurasien genommen haben musste.
Die Entdeckung von Chororapithecus hat eine gewisse Hoffnung aufkeimen lassen, dass die Geschichte der Gorillas, Schimpansen und der ersten Menschen schließlich doch noch gelöst werden kann. Was die Rekonstruktion der evolutionären Geschichte der Menschenaffen so schwierig macht, ist unter anderem die Tatsache, dass die meisten Fossilien von ihnen in Europa gefunden wurden. Dryopithecus, Pierolapithecus und Ouranopithecus (=Graecopithecus), um nur einige zu nennen, sind europäische Menschenaffen, von denen es schöne Zähne, Schädel und Skelette gibt und die alle Merkmale mit heute lebenden großen Menschenaffen teilen. Ist es möglich, dass sich die Menschenaffen aus Europa oder Asien erst entwickelten, nachdem die gesamte Linie in Afrika entstanden war? Und ist es möglich, dass einer dieser Menschenaffen irgenwann vor 7 Millionen Jahren nach Afrika zurückkehrte und hier die Linie der modernen Menschenaffen und Menschen begründete?
Jenseits der 7-Millionen-Jahre-Marke gibt es keine harten Belege mehr, die auf einen menschlichen Vorfahren hinweisen würden. Orrorin aus dem Jahr 2000 mit dem Spitznamen "Millennium Mann" (obwohl das Geschlecht garnicht bekannt ist) reicht etwa 5,8 bis 6,1 Millionen Jahre zurück. Ein Jahr später meldeten Forscher um Michel Brunet die Entdeckung von Sahelanthropus aus dem Tschad, der den Ursprung der Menschen noch einmal um eine Million Jahre zurück in die Vergangenheit zu verlegen schien.
Fossilien von frühen Menschenaffen, vor allem aus der kritischen Zeit vor 14 bis 8 Millionen Jahren waren praktisch nicht existent - bis jetzt. "Wir wissen nichts darüber, wie die menschliche Linie tatsächlich aus den Menschenaffen hervorgegangen ist," notiert einer der Autoren der Arbeit. Die Entdeckung von Chororapitheus beweist nun erstmals, dass vor 10 Millionen Jahren gorilla-ähnliche Menschenaffen in Afrika lebten.
Das erstaunlichste an den Fossilien von Chororapithecus ist also die Tatsache - da sind sich alle Wissenschaftler einig - dass sich unsere menschlichen Vorfahren von den heutigen Menschenaffen - Gorilla, Orang-Utan und Schimpanse - mehrere Millionen Jahre früher trennten, als die allgemein akzeptierten Ergebnisse der Molekulargenetik zu beweisen schienen.
G. Suwa, R. T. Kono, S. Katoh, B. Asfaw, and Y. Beyene. 2007. A new species of great ape from the late Miocene epoch in Ethiopia. Nature 448:921-924
