Evolution der Primaten: Gattung Tremacebus

Zeitraum: 23,03–33,9 Mio. Jahre

Tremacebus aus dem späten Oligozän oder frühen Miozän aus dem südlichen Zentral-Argentinien war ein mittelgroßer, etwa 1 - 2 kg schwerer Primat aus der Gruppe der Neuweltaffen (Platyrrhini). Es ist ein nahezu vollständiger, aber zerbrochener Schädel und ein Unterkiefer mit zwei Zähnen erhalten.

Tremacebus hat relativ kleine Eckzähne, drei Prämolaren und drei Molaren. Die zerbrochenen oberen Molaren im Oberkiefer und der einzige untere Molar erinnern an die Zähne der heute lebenden südamerikanischen Gattungen Callicebus (Springaffen) oder Aotus (Nachtaffen). Die oberen Molaren sind quadratisch mit einem großen Hypokonus und einem breiten lingualen Cingulum. Der untere Molar hat einen schmalen Trigonid ohne deutliche Höcker und einen breiteren Talonid mit einer starken Crista obliqua.

Neben einer relativ kurzen, breiten Schnauze hat Tremacebus größere Augenhöhlen als die meisten tagaktiven Neuweltaffen, aber kleinere Augenhöhlen als die nachtaktive Gattung Aotus, was Hershkovitz (1974) zu der Annahme führte, dass die Art möglicherweise crespuscular war.

Tramacebus harringtoni
Schädel von Tremacebus harringtoni
Foto: © Ghedoghedo, Lizenz

Die hintere Wand der Augenhöhle ist beim Typusexemplar [?] von Tremacebus nicht vollständig geschlossen. Hershkovitz (1974) sah dies als Beweis, dass Tremacebus primitiver war als alle bekannten höheren Primaten, jedoch gibt es auch Anzeichen dafür, dass die große Öffnung an der Rückseite der Augenhöhle durch den Bruch des Fossils entstanden ist, und dass Tremacebus daher eine ähnliche postorbitale Schließung[?] aufwies, wie alle heute lebenden Platyrrhini.

Tremacebus weist die größten gebiss- und schädelmorphologischen ähnlichkeiten mit den heute lebeneden Gattungen Callicebus und Aotus auf. Rosenberger (1984) ist der Meinung, dass Tremacebus ein Vorfahre des heutigen Nachtaffen ist, andere Autoren sehen größere ähnlichkeiten mit Callicebus. Das untere Gebiss weist ähnlichkeiten mit fossilen Affen aus etwas jüngeren Ablagerungen aus dem Miozän Argentiniens auf, was darauf hindeutet, dass sie möglicherweise Teil einer einzigen Abstammungslinie sind.

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