Evolution der Primaten: Gattung Cantius

Zeitraum: Eozän
Verbreitung: Europa, Nordamerika
Schwestertaxa:: Adapina
Adapinae
Microadapis
Sivaladapis
Arten: C. abditus
C. actius
C. angulatus
C. frugivorus
C. mckennai
C. nunienus
C. ralstoni
C. trigonodus
C. torresi
C. simonsi
Systematik
ein aus

Cantius ist die früheste Gattung von Primaten, die man als Euprimaten [?] bezeichnen kann. Das erkennt man hauptsächlich an den Gliedmaßen, an den Orbita [?] mit ihren postorbitalen Leisten [?] und an der Bulla [?] des Felsenbeins [?].

Bis heute sind Tausende von Fossilien der Gattung Cantius ausgegraben worden. Sie repräsentieren verschiedene Arten, die im frühesten Eozän in Nordamerika und Europa verbreitet waren. Während die geologisch älteste Art C. torresi aus Wyoming nur von Gebissen bekannt ist (Gingerich, 1986), gibt es von etwas späteren Arten (aber immer noch frühes Eozän) teilweise erhaltene Schädel und Gliedmaßenknochen, die unbestritten die Anatomie von Euprimaten aufweisen (Dagosto, 1993).

Die sehr dichten, kontinuierlichen stratigraphischen Sequenzen, die im Bighorn Basin von Wyoming enhalten sind, erlauben der Forschung die Evolution der Cantius-Linie über Millionen Jahre des frühen Eozäns hinweg nachzuzeichnen. Während dieser Zeitspanne wurde die Gattung immer größer und sie entwickelte neue Strukturen der Zähne, wie etwa zwei zusätzliche Höcker auf den oberen Molaren. Die frühesten verbundenen Skelettreste von Cantius deuten auf einen lepilemur-ähnlichen Primaten, der gut springen konnte und sich vertikal in aufrechter Körperposition an ästen und Baumstämmen festhielt.

Cantius dürfte tagaktiv gewesen sein. Seine Körpergröße und seine Zähne deuten auf eine Ernährung, die aus Früchten und Insekten bestanden haben könnte (Rose und Walker, 1985).

Die Schneidezähne von Cantius sind nach vorn geneigt und nicht, wie oft behauptet, senkrecht stehend [3]. Die unteren Backenzähne sind weiter entwickelt als bei Donrussellia, einem Primaten aus der Klade Tarsiiformes, da sie relativ kürzer und breiter sind. Die die oberen Backenzähne liegen weniger quer; in der Nähe der Basis sind alle Backenzähne mehr geschwollen. Die unteren Molaren sind bunodont [?] mit drei trigoniden Höckern. Der Parakonulus, der bei vielen nachfolgenden Adapiformes reduziert oder nicht mehr vorhanden ist, ist deutlich ausgeprägt, wenn auch nicht so stark wie bei Donrussellia. Wie bei allen Notharctiden weist der dritte Molar (M3) des Unterkiefers einen erweiterten Lappen des Hypokonulus auf. Bei den oberen Molaren ist der Hypokonus, der bei entwickelteren Arten größer wird, mit dem Protokonus durch die Nannopithex-Falte [?] verbunden. Dieser Höcker ist beim primitiven Cantius kaum differenziert, daher ist es möglich, dass dieser Zustand die Ausgangsform war, aus der sich dann Formen entweder mit einem Pseudohypokonus oder mit einem echten Hypokonus entwickelten.

Auf der Artebene ist die nordamerikanische Gattung Cantius ausreichend untersucht worden, was zwingende Beweise für eine allmähliche Evolution nach sich zog [4][5]. Die Trends in der Evolution von Cantius gehen hin zu steigender Körpergröße, fortschreitender Entwicklung eines Mesostyles sowie eines Hypokonus und beginnender Selenodontie [?].

Unterkiefer mit Zähnen von Cantius
Abb. 1. Unterkiefer mit Zähnen von Cantius. Fotoaus © Rose et al., 1999

Diese Tendenzen gehen im mittleren Eozän mit Notharctus und Smilodectes weiter. Die Unterkiefersymphyse [?] (Symphysis mandibularis) ist bei Notharctus verschmolzen, nicht aber bei anderen Gattungen. Die Größe und die Bunodontie des Gebisses von Cantius legen nahe, dass sich diese Primaten von Früchten ernährten, wobei die mehr selenodonten Molaren von Notharctus und Smilodectes zeigen, dass auch Blätter ein wichtiger Bestandteil der Nahrung waren. Cantius liegt wahrscheinlich in oder nahe der Herkunftslinie aller Notharctiden [6].

Dagosto M, 1993. Postcranial anatomy and locomotor behavior in Eocene primates. In: Gebo DL (ed) Postrcranial adaptation in non-human primates Northern Illinoid University, DeKalb USA, pp 199-219.

K. D. Rose, A. Walker. 1985. The skeleton of early Eocene Cantius, oldest lemuriform primate. Am J Phys Anthropol 66

[3] Rose et al., 1990;

[4] Gingerich und Simons, 1977

[5] O'Leary, 1996;

[6] Godinot, 1998;

Creative Commons License
Alle Texte dieser Homepage sind unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. - Bildlizenzen sind getrennt angegeben -
Weitere Infos: Kontakt - Siteinfo - User online 7   gestern 313   heute 22 - Letztes update: 01.11.2011 um 06:51