Adapis parisiensis

Zeitraum: Frühes Eozän
Verbreitung: Europa
Gut erhaltener Schädel von Adapis parisiens, der in der Quercy Region in Südfrankreich recht häufig vorkam.
Gewicht: 1.300 g
Art: A. parisiensis
Schwestertaxa: A. laharpei
A. collinsonae
Systematik
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Adapis parisiensis ist ein ausgestorbener Primat aus der Unterfamilie Adapinae (Familie Adapidae innerhalb der Adapiformes), der im Eozän in Europa verbreitet war.

Der Forschung sind eine Reihe von Fossilien bekannt, die aus Frankreich, Spanien und England stammen und zwischen 37,2 und 33,9 Millionen Jahre alt sind. Basierend auf der Morphologie der Funde kann man Aussagen über die Lebensweise machen: Adapis parisiensis war ein Pflanzenfresser, der sein Leben auf Bäumen verbrachte und etwa 1,3 Kilogramm wog (Fleagle, 1988).

Adapis parisiensis wurde bereits im Jahre 1822 von Georges Cuvier beschrieben, also lange vor der Entdeckung anderer fossiler Primaten, und erst 50 Jahre später wurde das Fossil als Primat erkannt. Adapis parisiensis ist das letzte Mitglied der Adapinae in Europa und verschwand während des großen Aussterbens der europäischen Fauna am Übergang vom Eozän zum Oligozän. Dieses Ereignis wird Grand Coupure genannt und geht mit einem großen Temperaturabfall während dieser Zeit einher.

Adapis parisiensis hat einen vollen Satz Zähne (Zahnformel 2:1:4:3). Wie die meisten Adapidae und heute lebenden Lemuren hat er relative breite und spatelförmige obere mittlere Schneidezähne mit einem Spalt zwischen ihrer Basis, vermutlich für das Jacobson-Organ. Die oberen seitlichen Schneidezähne sind kleiner und hinter den oberen mittleren Schneidezähnen positioniert. Es gibt in der Größe der oberen Eckzähne keine Anzeichen von sexuellem Dimorphismus.

Das untere Vordergebiss von Adapis parisiensis ist ungewöhnlich, denn die unteren Schneidezähne und Eckzähne bilden eine einzige Schneide. Gingerich und Martin (1981) haben vorgeschlagen, dass diese Morphologie die beginnende Entwicklung eines Zahnkamms darstellt, wie ihn heute lebende Feuchtnasenprimaten haben. Wie bei den Zahnkämmen vieler Säugetiere haben die unteren Schneidezähne von Adapis parisiensis feine parallele Rillen auf dem Zahnschmelz, was darauf hinweist, dass sie zur Körperpflege eingesetzt wurden. Adapis parisiensis hat lange schmale Molaren und Prämolaren mit gut entwickelten Scherkämmen. Sie sind ähneln auffallend den Backenzähnen von Hapalemur, was auf eine aus Blättern bestehende Ernährung hinweist.

Adapis parisiensis hat einen sehr niedrigen, breiten Schädel mit auffallenden Jochbögen und einer kleinen Hirnschale. Größere Individuen (Männchen?) haben prominente Sagittal- Nackenkämme (engl. nuchal crest). Die Orbita [?] sind relativ klein, was darauf hindeutet, dass Adapis parisiensis ein tagaktiver primat war. Sie orientieren sich leicht nach oben anstatt direkt nach vorne. Die Schnauze ist mäßig kurz. An den robusten Jochbögen und der extrem großen Schläfengrube (Fossa temporalis) kann man sehen, dass Adapis parisiensis extrem große Kaumuskeln besaß, was mit der folivoren Natur des Gebisses übereinstimmt.

Die Gehörregion des Schädels hat eine aufgeblasene Bulla [?] mit einem freien Mittelohr, genau wie bei heute lebenden Feuchtnasenprimaten (Strepsirhini). Ein Kanal für die Steigbügelarterie (Arteria stapedia) und eine Nut für einen Zweig der inneren Halsschlagader ist zwar immer vorhanden, doch die relative Größe dieser Kanäle unterscheidet sich von Exemplar zu Exemplar. Das Gehirn ist im Vergleich zu heute lebenden Feuchtnasenprimaten relativ klein und hat einen großen Bulbus olfactorius [?].

Von Adapis parisiensis gibt es mehrere relativ vollständige Gliedmaßenknochen. Analysen dieser Knochen (Dagosto, 1983) zeigen, dass sich Adapis parisiensis ähnlich wie heute lebende Loris (Nycticebus und Perodicticus) fortbewegte - er war ein langsamer arborealer Vierbeiner. Allerdings zeigt eine nahezu vollständig erhaltene Hand keine Hinweise auf besondere Greif-Fähigkeiten, die mit Loris vergleichbar wäre (Godinot und Jouffroy, 1984). Die Verbindung zwischen der Ulna und des Handgelenks zeigt Merkmale, die Adapis parisiensis in die Nähe heute lebender Lemuren und Loris rückt (Beard et al., 1988).

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