| Plesiadapiformes | |
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| Zeitraum: | frühes Paläozän bis spätes Eozän |
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| Lebendrekonstruktion von Plesiadapis | |
| Verbreitung: | Nordamerika, Europa |
| Systematik | |
Die Plesiadapiformes klassifiziert man in der Regel als eine taxonomische Gruppe der Primaten, einer äußerst erfolgreichen Gruppe, die im Paläozän sowie im frühen Eozän Nordamerikas und Europas ihre Blüte hatte.
Plesiadapiformes (und die neu geschaffene Klade Euprimateformes) repräsentieren die häufigsten Säugetiere, die man aus dem Paläozän kennt. Die Vielfalt dieser Säugetiere (mehr als 75 Arten in 25 Gattungen), übersteigt fast das Doppelte der heute lebenden Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini) und die Variationen in der Körpergröße sind mit der heute lebender Feuchtnasenaffen oder Neuweltaffen (Platyrrhini) vergleichbar. Man geht davon aus, dass Purgatorius der letzte gemeinsame Vorfahr von Primaten und Plesiadapiformes ist. Sie erschienen erstmals in der Kreidezeit und waren mit Ende des Eozäns wieder ausgestorben.
Plesiadapiformes sind der Wissenschaft schon lange bekannt, vor allem durch fragmentarisch erhaltene Kiefer und Zähne. Die Kenntnisse der verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen diesen archaischen Primaten und späteren Primaten sowie die Beziehungen innerhalb der Gruppe selbst basieren daher hauptsächlich auf Merkmalen des Gebisses, wie etwa den Backenzähnen mit ihren relativ niedrigen Höckern (im Vergleich zu anderen, gleichzeitig lebenden Insektenfressern). Die primitive Zahnformel der Plesiadapiformes (außer der Gattung Purgatorius, die manchmal willkürlich dieser Unterordnung hinzugefügt wird) lautet
. Die meisten späteren Mitglieder aller Linien zeigen eine Verringerung der Zahngröße und auch den Verlust von Zähnen, am häufigsten die seitlichen Schneidezähne und den vorderen Prämolar.
Da alle bekannte Arten der Plesiadapiformes ein Gebiss mit nur drei oder weniger Prämolaren haben, sind sie zu sehr spezialisiert, um als Vorfahren der frühesten Strepsirrhini (Feuchtnasenaffen) in Frage zu kommen, von denen viele vier Prämolare besitzen. Darüber hinaus haben viele Plesiadapiformes extrem große untere Schneidezähne, was sie ebenfalls von späteren Primaten unterscheidet.
Die scharfen Höcker auf den Zähnen vieler Arten sowie ihre kleine Körpergröße weisen darauf hin, dass sich viele dieser archaischen Primaten weitgehend von Insekten ernährt haben. Verglichen mit anderen, zeitgleich lebenden Insektenfressern kann man jedoch eine allgemeine Verschiebung der Ernährungsweise in Richtung auf mehr Pflanzen- oder Allesfresserkost feststellen. Das zeigen u.a. die Backenzähne, die an das Zerdrücken und Zerkleinern von Pflanzenteilen angepasst sind.
Die meisten Plesiadapiformes haben einen niedrigen, flachen Schädel mit einer langen Schnauze, einem kleinen Gehirn, große Jochbeine, jedoch keinen knöchernen Ring rund um die Augenhöhlen. In diesem Merkmal sind Plesiadapiformes primitiver als alle späteren Primaten. Auch scheint sich der arterielle Blutkreislauf zum Gehirn deutlich von späteren Primaten zu unterscheiden. Eine Gemeinsamkeit stellt eine hohle Knochenstruktur (Bulla) dar, die Teile des Mittel- und Innenohrs umgibt. Viele Autoren sehen darin eine Verbindung zwischen Plesiadapiformes und späteren Primaten. Leider lässt sich der Aufbau der Bulla [?] ohne embryologisches Material (MacPhee et al., 1983) nicht präzise bestimmen. Es gibt folglich keine konkreten Schädelmerkmale, die Plesiadapiformes mit lebenden Primaten in Verbindung bringen könnten.
Analysen des Rumpfskeletts und der Gliedmaßen, insbesondere von Fuß und Ellbogen, haben mehrere Merkmale erkennen lassen, welche Plesiadapiformes mit späteren Primaten teilen. Solche Analysen sind jedoch durch den Mangel an Unteruchungsmaterial nicht besonders repräsentativ. Die Gattung Plesiadapis, von der reichlich Skelettmaterial vorhanden ist, hatte relativ kurze robuste Gliedmaßen, nicht gegenüberstellbare Großzehen und Finger mit Klauen - Merkmale die eindeutig primitiver sind als bei den Gliedmaßen späterer Primaten.
Der Ursprung der Plesiadapiformes liegt im Dunkeln, die meisten Arten - einschließlich der ältesten und primitivsten Mitglieder - sind nur von Zähnen bekannt, und das Wissen über potenzielle Vorfahren aus der Kreidezeit ist sehr beschränkt. In der Regel hört man, dass sich Plesiadapiformes (sowie Euprimaten [?]) im weitesten Sinne aus Insektenfressern entwickelt haben, aber solche vagen Aussagen sind nicht sehr aufschlussreich. Es stimmt, dass die Gebissmorphologie von Purgatorius und anderer primitiver Plesiadapiformes im Allgemeinen der Gebissmorphologie erinaceomorpher (igelähnlicher) Insektenfresser ähnelt. Sie unterscheidet sich u.a. von vielen anderen "Insectivoren" durch flachere Zahnkronen mit weniger ausgeprägten Höckern; jedoch kennzeichnen diese allgemeinen Attribute auch viele verschiedene andere primitive Säugetiere. Darüber hinaus wird die Theorie einer engen Beziehung zu Erinaceomorphen durch andere anatomische Hinweise, z. B. durch das Aussehen des unteren Gesichtsteils (basicranium, Novacek et al. 1983) keineswegs gestützt. Somit kann die Frage nach der Herkunft der Plesiadapiformes derzeit noch nicht beantwortet werden.
Trotzdem vermitteln die Fossilien dieser sehr erfolgreichen, kleinen Säugetierformen einen guten Eindruck, wie die frühesten, primitiven Primaten aus dem Paläozän ausgesehen haben könnten.
Rose, Kenneth D. The Beginning of the Age of Mammals. Johns Hopkins Univ Pr (26. September 2006)
MacPhee, R.D.E., Cartmill, M. and Gingerich, P.D. 1983. New Palaeogene primate basicrania and the definition of the order Primates. Natur 301:509-511
M. J. Novacek, M. C. McKenna, N. A. Neff & R. L. Cifelli. 1983. Evidence from earliest known erinaceomorph basicranium that insectivorans and primates are not closely related.
Nature 306, 683 - 684
